Berlin : Tempodrom: "Kein Baustopp, keine Verzögerung"

Katharina Körting

Da die Stiftung Deutsche Klassenlotterie kein Geld für das Tempodrom spendiert hat, galt die für Dezember vorgesehene Eröffnung des Neubaus als gefährdet (wir berichteten). Doch Tempodrom-Chefin Irene Moessinger, der es gegenüber der Presse die Sprache verschlagen hatte, fand gestern zu ihrem Optimismus zurück: "Alles ist gut", versichert sie dem Tagesspiegel, um sich sofort zu berichtigen: "Es ist eine schwierige Situation, aber wir werden sie meistern." Einzelheiten dürfe sie nicht nennen.

Wie kürzlich bekannt wurde, hat sich die Bauherrin Stiftung Neues Tempodrom beim Bau des Stahlzelts am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg um acht Millionen Mark verschätzt - und zunächst alle Hoffnungen in die Lotto-Stiftung gesetzt. Woher das Geld nun kommen soll, will Moessinger im Moment nicht verraten. Es gebe aber "positive Signale" aus der Senatsbauverwaltung. Eine gemeinsame Erklärung mit Bausenator Peter Strieder (SPD) werde "über kurz oder lang" darüber informieren. Einen Tag zuvor hieß es noch aus dem Hause Strieders, die Sache werde, im einige Tage währenden Eilverfahren, "sorgfältig geprüft".

Petra Reetz von der Senatsbauverwaltung hatte bislang zurückhaltend formuliert, es handle sich um ein wünschenswertes, aber privates Projekt. Nun ist man offenbar umgeschwenkt: "Wir werden alles tun, damit das Tempodrom rechtzeitig eröffnet wird", sagt Reetz jetzt. Die Finanzierungsfrage lässt sie ausdrücklich offen. Eine weitere Förderung wäre nicht unumstritten. "Ich hoffe, dass das Tempodrom gerettet wird", sagt etwa Michael Cramer, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, "aber wenn die Privaten sich verkalkulieren, können sie nicht darauf setzen, dass die Öffentlichen einspringen." Schon jetzt stammen für das ursprünglich auf 43,6 Millionen Mark veranschlagte Tempodrom 22 Millionen Mark aus öffentlichen Mitteln: Sechs Millionen Mark kommen von der Lotto-Stiftung, die gleiche Summe erhielt das Tempodrom als Ausgleich für den Wegfall des alten Standplatzes. Weitere 9,7 Millionen Mark stammen aus EU-Fördermitteln und vom Senat, 22 Millionen Mark aus Bankkrediten. Der Bau kostet aber mindestens 50 Millionen Mark, weil Brandschutzauflagen und eine Sprinkleranlage nicht bedacht worden waren. Auch die Kosten für das Dach hat man um drei Millionen Mark unterschätzt. "Die Baustelle läuft auf Hochtouren", sagt Moessinger, es gebe weder Baustopp noch Verzögerungen, und man könne die Baufirmen bezahlen. Das Tempodrom werde, wie geplant, am 1. Dezember mit der Verleihung des Europäischen Filmpreises eröffnet.

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