Berlin : Tempodrom: Weitere Senats-Millionen

C. v. L.

"Wir haben uns verkalkuliert", sagte Tempodrom-Chefin Irene Moessinger, sprach von acht Millionen Mark unerwarteter Mehrkosten beim Neubau. Das war vor vier Wochen. Inzwischen sind weitere Millionen hinzugekommen. Der Senat will der Zitterpartie offenbar ein Ende machen und dem vom Konkurs bedrohten neuen Tempodrom finanziell unter die Arme greifen.

Die genaue Höhe der Summe - zur Fertigstellung des Neubaus fehlen rund zwölf Millionen Mark - werde der Senat jedoch erst am nächsten Dienstag beschließen, sagte der stellvertretende Senatssprecher Albert Eckert. "Der Senat war sich in einem Grundsatzbeschluss einig, dass das Tempodrom keine Bauruine werden darf." Das Kultur- und Veranstaltungszentrum soll wie geplant am 1. Dezember an seinem neuen Standort am Anhalter Bahnhof öffnen. Eckert kündigte zugleich an, dass der Senat seinen Einfluss in der Stiftung Neues Tempodrom verstärken wolle. "Wenn das Land bezahlt, dann muss es auch das Sagen haben." Die Gesamtsumme für den zeltförmigen Bau aus Beton, Glas und Stahl waren im Laufe der Zeit von anfangs 30 über 43 auf jetzt mindestens 50 Millionen Mark gestiegen. Ursache waren Brandschutzauflagen, die Sanierung von verseuchtem Boden und die aufwendige Dachkonstruktion mit 37 Meter hohen Stützarmen. Allein das Dach wurde um drei Millionen Mark teurer als erwartet.

Wie viel das Land von den fehlenden zwölf Millionen Mark tragen werde, wollte der Senatssprecher nicht sagen. "Summen stehen noch nicht fest", sagte Eckert. Angestrebt werde jedoch auch eine Beteiligung Dritter. Auch über den Einsatz von Lotto-Mitteln sei gesprochen worden.

Das Tempodrom war 1980 in einem Zirkuszelt im Mauerstreifen am Potsdamer Platz gegründet worden. Irene Moessinger, die eine Erbschaft eingesetzt hatte, musste immer wieder um Fördermittel nachsuchen. Seinen späteren Standort im Tiergarten musste das Tempodrom wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum neuen Kanzleramt aufgeben. In dem jetzigen Neubau - einer großen, einem antiken Amphitheater nachempfundenen Arena - sollen mehr als 3700 Zuschauer Platz finden. Anfang Dezember soll dort der Europäische Filmpreis verliehen werden.

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