Berlin : Tempodrom: "Wir haben uns verkalkuliert"

Katharina Körting

Die Finanzierung des Tempodrom-Neubaus am Anhalter Bahnhof ist durch die unerwarteten acht Millionen Mark Mehrkosten stark gefährdet. "Wir müssen das Problem in diesem Monat lösen", sagt die Tempodrom-Chefin Irene Moessinger, "andernfalls kommt es zu einer Katastrophe." Zwar sei die Bauherrin "Stiftung Neues Tempodrom" "noch liquide", aber einen weiteren Kredit hält Moessinger für "unverantwortlich". Wo das Geld sonst herkommen soll, ist ungewiss: "Wir arbeiten fieberhaft."

Schon jetzt sind 21,9 Millionen Mark der Baukosten über Kredite gedeckt. Moessinger hatte die Bausumme auf 43,6 Millionen Mark veranschlagt. Ganz am Anfang war von 30 Millionen Mark die Rede. Sechs Millionen Mark kommen von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie, dieselbe Summe erhält das Tempodrom als Ausgleichsmaßnahme von Bundesregierung und Berliner Senat, weitere 9,7 Millionen Mark stammen aus EU-Fördermitteln und dem Senat. Nun wird das Stahlzelt jedoch mindestens 50 Millionen Mark kosten. Und noch eine weitere Kostenerhöhung droht: Die drei zur "Arbeitsgemeinschaft Neues Tempodrom" zusammengeschlossenen Baufirmen fordern eine höhere Endsumme als die Bauherrin zahlen will.

Ursache für die erhöhten Kosten ergäben sich aus allen Gewerken, sagt Moessinger. Behördliche Brandschutzauflagen, die einen Keller und eine Sprinkleranlage nötig machten, waren nicht bedacht worden. Auch die Kosten für das Dach hat man um drei Millionen Mark unterschätzt. Der Boden war zudem kontaminiert und musste für eine Million Mark saniert werden. "Wir haben uns verkalkuliert", gibt Moessinger zu. Allen finanziellen Unsicherheiten zum Trotz werde das neue Tempodrom, wie geplant, am 1. Dezember mit der Verleihung des europäischen Filmpreises "Felix" eröffnet. Bau- und Kulturverwaltung haben bisher keine konkreten Zusagen für weitere Förderung gemacht. Man verständigte sich darauf, das Defizit über die Lotto-Stiftung auszugleichen. Ob und in welcher Höhe Lottomittel zur Verfügung stehen, entscheidet die mit Politikern besetzte Stiftungsratssitzung am 12. September. "Dass es teurer wird, ist bedauerlich", sagt der ehemalige Bauunternehmer und Moessinger-Berater Roland Specker, "aber billiger ist die Multifunktionalität nicht zu haben."

Das provisorische Tempodrom am Ostbahnhof veranstaltet am 1. September um 12 Uhr einen "Kehraus" mit Flohmarkt. Tempodrom-Souvenirs stehen zum Verkauf.

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