Berlin : Tennis, Terrier und Termine

Der eine betreut die Stars im Hotel, die anderen dürfen ihnen zugucken: Zwei Seiten der Ladies German Open

Aliki Nassoufis

DIE NETWORKERINNEN

Damen-Tennis ist attraktiver als das Pendant der männlichen Kollegen. Davon ist jedenfalls Walter Müller , Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Berlin, überzeugt. „Das hat aber nicht mit dem Aussehen der Spielerinnen zu tun“, versichert er. Bei den Frauen gebe es einfach längere und dynamischere Ballwechsel. „Da macht das Zugucken mehr Spaß!“ Dass er gestern bei den Ladies German Open in Grunewald dabei war, hatte jedoch noch einen weiteren Grund: der Ladies Day, den Mercedes-Benz zum achten Mal parallel zum Turnier organisierte.

Etwa 100 Berlinerinnen wie Isa Gräfin von Hardenberg , Ulla Klingbeil , Mania Feilcke , Präsidentin des Berliner Diplomatenclubs, Katja Steffel und Karin Landowsky nutzten die Gelegenheit, sich ohne ihre Männer bei Sekt, Spargel, Shrimps und gebratener Ente zu treffen. Lilo Pfitzmann wurde beim Betreten des Geländes ganz nostalgisch: Ihre beiden Söhne haben hier einst das Tennisspielen erlernt. Das sei aber schon einige Jahre her und seitdem habe sie den Anschluss an die Tenniswelt verloren. „Heute kenne ich leider so gut wie keinen der Namen mehr.“

Das ist bei Angelika Böger , Ehefrau von Senator Klaus Böger, ganz anders. Sie spielt zweimal in der Woche Tennis und hat deswegen ganz eigene Ansprüche an den Ladies Day: „Ich hoffe jedes Jahr, dass ich mir hier ein paar Tricks und Taktiken von den Spielerinnen abgucken kann“, verrät sie. „Geklappt hat es aber leider noch nie!“, muss sie lachend zugeben. Dennoch guckt auch sie lieber Damen beim Tennisspielen zu. „Die spielen die Bälle länger und ausdauernder.“

Der Ladies Day ist allerdings nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern soll auch einem guten Zweck nützlich sein. Deswegen wurden gestern wieder Spenden für das bundesweite Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ gesammelt. Insgesamt kamen so 40 000 Euro zusammen, die der Schirmherrin des Sorgentelefons, Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf , überreicht wurden. Bei der anschließenden Feier war außerdem die Tennisweltranglistenzweite Kim Clijsters dabei. Da kam Walter Müller erneut ins Schwärmen.

DER STARBETREUER

Für Tennis-Fans wäre es ein Traum: Christian Siejock betreut im Hotel Intercontinental in Tiergarten persönlich die Tennisspielerinnen der Ladies German Open. Für den 29-Jährigen ist der Job aber vor allem eins: harte Arbeit. 65 Spielerinnen haben während des Turniers, das im LTTC im Grunewald stattfindet, die Nummer seines Diensthandys – und nehmen Siejocks Angebot „stets zu Diensten zu sein“ gerne an: Sie bestellen Evian-Wasserkästen auf die Zimmer, wollen größere Zimmer, schnellere Internetanschlüsse und das alles zu den unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten.

„Ich stehe morgens um halb sechs auf“, sagt Siejock, „aber mein Handy liegt die ganze Nacht neben dem Bett.“ Und klingelt. Vor allem Nudelbestellungen gehen nachts öfter ein. Kein Problem, im Intercontinental arbeiten die Köche rund um die Uhr. Aber eine Gyros-Pizza um drei Uhr morgens? „Wir haben sie irgendwo in Berlin aufgetrieben“, sagt Siejock, „Dass Sportler nachts nach so etwas Fettigem fragen, haben wir nicht gerechnet.“

Aber dass Venus Williams ihren Mischlingshund und Arantxa Sanchez-Vicario ihren Yorkshire mitgebracht haben – alles längst geahnt. Die Suiten der beiden Profis haben eine Ecke mit Hundekörbchen inklusive Lammfell-Einlage und Kauknochen. Gassi-gehen? Dafür muss dann auch wieder Siejock ran. Der schaut immer schon voraus: So gibt er beispielsweise rivalisierenden Spielerinnen nie nebeneinander liegende Zimmer – um Reibereien zuvorzukommen. Es klappt: Streit gab es im Hotel noch nie, sagt er. Auch nicht um die Zimmer. Die werden nach einem einfachen System vergeben: Je höher die Platzierung in der Weltrangliste, desto größer die Suite. Und so darf Kim Clijsters , die Nummer zwei der Weltrangliste, natürlich in der Präsidentensuite schlafen – für 2100 Euro pro Nacht. Privat hat Siejeck mit den Spielerinnen nichts zu tun, an der Bar saß er noch nie mit einer. Aber Spielerinnen, die noch nicht so lange dabei sind und aus dem Turnier ausscheiden, schickt er einen persönlichen Brief aufs Zimmer. Dafür hat sich eine junge Frau schon mal mit einem tiefen Blick bedankt. Juris Lempfert

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