Berlin : "Teppichland Berlin": Frau Lu lässt die Lampions wackeln

tabu

Die Rauchschwaden, die aus dem Portal des "Teppichland Berlin" in die Lise-Meitner-Straße ziehen, sind schon von weitem zu sehen und zu riechen. Keine Panik, gehört alles zum Programm: Hunderte chinesischer Räucherstäbchen, die in einem riesigen Bassin voller Sand vor sich herqualmen. Drinnen, in der Verkaufshalle, drängeln sich rund 2000 Gäste zwischen Stapeln von großen, kleinen, runden, eckigen, flauschigen oder seidigen Teppichen, zwischen Brücken, Läufern und Naturbelägen - Teppichliebhaber Dieter Bohlen hätte seine Freude gehabt. Die Leute bestaunen die chinesischen Lampions, die von der Decke baumeln, naschen Peking-Ente-Stückchen oder Fischspießchen mit Ananas. Das Land des Lächelns hat Einzug gehalten in die Lise-Meitner-Straße. Möglich gemacht hat das Reinhard Hainz, Teppich-König und Geschäftsinhaber. Seine schier unbegrenzte Auswahl an Flausch, Plüsch und Filz hat er durch antike und kostbare chinesische Teppiche ergänzt, flankiert von chinesischen Vasen und Jade-Schnitzereien. Dieses "China Event" will Hainz mit seinen geladenen Gästen und einem chinesischen Kulturprogramm gebührend feiern. Weniger sorgt er sich um den "Rekord-Teppich", der über 10 Millionen Knoten pro Quadratmeter aufzuweisen hat und hinter einer Glasscheibe prunkt. Hainz hat ein anderes Problem: Haben die vielen Gäste genug Platz auf ihren Gartenstühlen, um genüsslich das Bühnenprogramm zu verfolgen? Bahnchef Hartmut Mehdorn, Walter Müller, Chef der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin und der neue BZ-Chefredakteur Georg Gafron können nicht klagen: In der ersten Reihe sitzt es sich gut mit freier Sicht auf die gelb-gewandeten Drachentänzer, auf die Models, die chinesische Haute Couture darbieten, und auf Frau Lu, die mit so hoher Stimme singt, dass fast die Lampions wackeln. Dank der Shao Lin Mönche werden auch die Leute in den hinteren Reihen plötzlich still. Einem Mönch, der sich eine Eisenstange so heftig vor den Schädel schlägt, dass sie zerbricht, kann man nur mit beredtem Schweigen begegnen. Die Stille hält nur kurz an, danach kratzen die Gabeln auf den Tellern rund um das Büfett.

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