Berlin : Terrakotta-Armee soll länger Palast-Wache halten

140.000 Besucher kamen bereits an den Schloßplatz - Die Veranstalter wollen die Ausstellung bis Mitte Juli zeigen

Christian van Lessen

Vielen Besuchern will einfach nicht in den Kopf, dass sie durch ein künftiges Abrisshaus schlendern. Neu gezogene Decken vermitteln den Eindruck einer einfachen, aber intakten Veranstaltungsstätte mit Rohbau-Charakter. Immer wieder hört man Sätze wie: „Schade um das Haus“. Burkard Pfrenzinger und sein Partner Ralf Grüneberger, die Veranstalter der Schau, verstehen die stille Trauer. Der Abriss-Kandidat beschert ihnen aber offenbar einen großen Erfolg. Sie haben in Berlin nach rund einem Monat das geschafft, wofür sie zuvor in Frankfurt am Main zwei Monate benötigten: Nach ihren Angaben sind bisher mehr als 140 000 Besucher in die Terrakotta-Krieger-Ausstellung in den Palast der Republik gekommen.

Es gab zwar eine schwache Besucherphase Anfang April, aber das konnte die Stimmung der Veranstalter nur vorübergehend trüben. Die Warteschlangen kamen wieder, und eine Zeitung nannte, als sie Berliner Attraktionen aufführte, die Terrakotta-Ausstellung sogar in einem Satz mit der berühmten MoMA-Schau, was Pfrenzinger und seinem Partner besonders schmeichelt. „Unsere Erwartungen werden weit übertroffen.“

Die Terrakotta-Krieger sollen, so sieht es bislang der Zeitplan vor, bis zum 27. Juni im Palast ausgestellt sein, „doch wir denken schon über eine Verlängerung nach“. Vorgesehen ist, die Ausstellung, die anschließend in Oberhausen gezeigt werden soll, vermutlich bis Mitte Juli in Berlin zu lassen. Der Wunsch nach Verlängerung sei auch von „der Stadt“ geäußert worden, heißt es, von Mittes Bezirksbürgermeister Joachim Zeller. Er wolle sie der Delegation eines möglichen Pekinger Partnerbezirks zeigen. Zeller, im Urlaub, war für eine Bestätigung nicht zu erreichen. Eine Behördensprecherin aber teilte mit, sie könne sich den Wunsch nach einer Verlängerung durchaus vorstellen.

Rund 20 Prozent der Besucher kommen nach Angaben der Veranstalter allein wegen des Palastes der Republik. Die Gäste wollen das Haus noch einmal sehen, viele haben es als „Erichs Lampenladen“ in Erinnerung, nun machen sie sich in gnädigem Halbdunkel auf die Spurensuche, und wenn sie im abgetrennten Kino-Raum sitzen, spüren sie überhaupt nichts mehr von der Rohbau-Atmosphäre. „Dass wir hier noch mal rein dürfen“, ist oft zu hören, in allen möglichen Dialekten. Rund 70 Prozent der Besucher sind Touristen, und überraschend hoch ist auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen. Es gibt lange Anmeldelisten von Schulklassen.

Viele Tausend Menschen werden den Palast der Republik noch bis zum Jahresende besichtigen können, zumal im Anschluss an die Krieger-Ausstellung zahlreiche kulturelle Veranstaltungen geplant sind, etwa von der Staatsoper. Der Verein Zwischenpalastnutzung hat entsprechende Konzepte entwickelt. Aber es werden bis dahin auch diverse Bauleute durchs Haus laufen, um zu prüfen, welche Vorarbeiten für den Abriss im kommenden Frühjahr nötig sind.

Bislang ist bereits eine erste Ausschreibung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgeschlossen. Die Auswertung soll noch vier bis sechs Wochen dauern. Dabei wird ein Unternehmen gesucht, das die Art und Weise des Abbruchs festlegt. Diese Firma soll dann ein „Abrissmanagement“ entwickeln, was möglicherweise im Herbst vorliegt. Anschließend wird es eine weitere Ausschreibung für das eigentliche Abriss-Unternehmen geben.

Ende letzten Monats hatten Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss die Offerte einer Hamburger Firma veröffentlicht. Danach sollte der Abriss des Palastes der Republik nicht mehr als sieben Millionen Euro kosten.

Die Senatsverwaltung, die zuvor einen Rahmen zwischen 20 Millionen und 40 Millionen Euro gesetzt hatte, nannte das Angebot „völlig unakzeptabel“, weil es nicht sicherstelle, dass beispielsweise der benachbarte Berliner Dom wegen der komplizierten Bodenverhältnisse beschädigt werde. Das Bundesbauministerium war der Ansicht, dass der Abriss „20 Millionen Euro und nicht mehr“ kostet.

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