Berlin : Terrakotta-NVA

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über die Remilitarisierung im Palast der Republik

Unsere Zeit wird einmal als die Ära der Zwischennutzung in die Geschichtsbücher eingehen. Historiker werden in unseren Ruinen herumstochern und aus den Funden folgern, tja, für was Dauerhaftes hatten die armen Leute damals im Schröderozoikum einfach weder Geld noch Ideen. Ja, man habe zur Zeit der Berliner Republik sogar eigene Hallen gebaut, nur um sie zwischenzunutzen! Zum Beispiel den so genannten Palast der Republik. Das wäre zwar nicht ganz treffend, aber irgendwie verständlich.

Dieser Tage fängt es an, mit Repliken der chinesischen Terrakottaarmee, die im Palast installiert werden sollen. Vorübergehend. Was dann kommt, ist noch unklar, aber es drängt sich auf, nicht in China Halt zu machen. Denn nicht nur dort gibt es untergegangene Armeen. Die DDR zum Beispiel hatte eine, großartig organisiert, mit vielen Generälen und Obersten, schießfreudigen Grenztruppen und einem scharfen Kontrollsystem, das es wahrlich verdient hätte, in Terrakotta eingegossen zu werden.

Nur müsste sich langsam mal jemand an die Arbeit machen. Die Volksarmee in Terrakotta? Na gut, nehmen wir Acryl. Ist ja nur eine Zwischennutzung (Seite 10).

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