Terror am Breitscheidplatz : Polnischer LKW-Fahrer soll geehrt werden

Eine Petition fordert das Bundesverdienstkreuz für den getöteten Lkw-Fahrer, der bei dem Anschlag am Breitscheidplatz vielleicht Schlimmeres verhinderte.

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Passanten stehen am Breitscheidplatz in Berlin im Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom 19.12.2016 Foto: Michael Kappeler/dpa
Passanten stehen am Breitscheidplatz in Berlin im Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom 19.12.2016Foto: Michael Kappeler/dpa

Lukasz Urban, der polnische Fahrer des Sattelschleppers, mit dem der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz verübt wurde, soll mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden. Das fordert eine Online-Petition auf der Plattform Change.org, die bis zum Montagabend bereits mehr als 35 000 Menschen unterschieben haben. "Aktuellen Berichten zufolge zeigt die Obduktion, dass er mit dem Täter gerungen hat und von diesem schwer verletzt und schließlich getötet wurde", heißt es in der Petition: "Mit diesem heldenhaften Handeln hat er vermutlich viele Menschenleben gerettet".

Der 37-jährige Lukasz Urban gehört zu den Opfern des Terroranschlags am 19. Dezember und wurde mit einem tödlichen Kopfschuss in der Fahrerkabine seines Lkw aufgefunden. Er soll dem Attentäter ins Lenkrad gegriffen haben, um Schlimmeres zu verhindern. Dies würde erklären, warum der Lkw nach links auf die Budapester Straße ausbrach, wo er dann stehenblieb. Der Attentäter soll mit einem Messer auf Urban eingestochen und ihm in den Kopf geschossen haben, als das Fahrzeug zum Stehen kam.

Die Initiatorin der Online-Petition für eine Ehrung des polnischen Fahrers, Constanze Stelzenmüller, hörte diese Meldung vergangenen Mittwoch im Radio in ihrem Washingtoner Büro. Sie arbeitet als Robert Bosch Senior Fellow an der renommierten Denkfabrik Brookings Institution. "Ich dachte nur: Was für ein furchtbares Schicksal", sagt sie: "Und was für ein Mut: Der Mann wusste ja genau, was ihn erwartet – und er hat dennoch versucht, Schlimmeres zu verhindern."

Die Idee mit der Online-Petition sei ihr in diesem Moment ganz spontan gekommen, erzählt die international anerkannte Expertin für europäische und transatlantische Außenpolitik weiter: "Ich habe so etwas noch nie gemacht und ich bin überrascht von der großen Resonanz. Offenbar empfinden viele Menschen ein ähnliches Bedürfnis wie ich."

Dafür sprechen auch die vielen Kommentare, die sie inzwischen erhalten hat – fast alle halten eine Ehrung von Lukasz Urban mit dem Bundesverdienstkreuz für angemessen. "Einer hat mir die Verleihungsregeln geschickt, um mir zu erklären, dass die Ehrung nicht posthum verliehen werden kann", sagt Constanze Stelzenmüller etwas verlegen: "Ich habe das tatsächlich vorher nicht geprüft. Aber beim Durchlesen wurde mir klar, dass der Bundespräsident Ausnahmen machen kann. Er hat da ein gewisses Ermessen."

Die Petition soll Joachim Gauck überreicht werden - und sie hat auch in Polen ein großes Interesse hervorgerufen. Constanze Stelzenmüller hatte in ihrer Petition geschrieben, Lukasz Urban habe mit seinem Mut auch "ein großes Zeichen gesetzt für die Freundschaft und Aussöhnung zwischen unserem Land und Polen, dem unsere Vorfahren Furchtbares angetan haben."

Lukasz Urban arbeitete bei einer Spedition in Stettin, die derzeit viele Anfragen von Menschen erhält, die helfen wollen. Ein britischer Lastwagenfahrer hat über eine Crowdfunding-Plattform für die Familie des am Breitscheidplatz ermordeten Kollegen gesammelt. Dabei sollen mehr als 170 000 Euro zusammengekommen sein.

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