• Terror in Belgien und die Folgen für Berlin: Mehr Kontrollen an Bahnstationen und Flughäfen
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Terror in Belgien und die Folgen für Berlin : Mehr Kontrollen an Bahnstationen und Flughäfen

Die Stadt trauert um die Terroropfer. Henkel ordnet für Mittwoch eine Trauerbeflaggung an. Berlins Politik zeigt sich schockiert. Die Bundespolizei verstärkt die Kontrollen.

von , , und Julia Bernewasser, Christian Vooren, Gina Dubiel
Das Brandenburger Tor in den Farben der belgischen Trikolore angestrahlt.
Das Brandenburger Tor in den Farben der belgischen Trikolore angestrahlt.Foto: dpa

Am Brüsseler Flughafen ist der Flugverkehr eingestellt, es gilt höchste Terrorwarnstufe: Das hat auch Auswirkungen auf Berlin.

+++ Solidarität nach den Anschlägen in Brüssel. Das Brandenburger Tor in Berlin erstrahlt am Dienstagabend in den Nationalfarben Belgiens.

+++BVG zeigt sich solidarisch mit Brüsseler Metro. Via Twitter kondolierte die Berliner BVG mit den Opfern der Anschläge in Brüssel.

+++ Grüne distanzieren sich von rechtspopulistischem Missbrauch. Die Berliner Grünen haben via Twitter ihr Mitgefühl mit den Opfern der Anschläge bekundet. Gleichzeitig distanzierten sie sich von Stellungnahmen, die den Terror für politische Zwecke missbrauchen würden.

+++ Trauerbeflaggung angeordnet: Innensenator Frank Henkel hat für den morgigen Mittwoch eine Trauerbeflaggung angeordnet. Beflaggt werden alle Gebäude, die von Dienststellen und sonstigen Einrichtungen des Landes Berlin benutzt werden.

+++ Bundespolizei verstärkt Kontrollen. Die Bundespolizei teilte mit, dass sie die "schutzpolizeilichen Maßnahmen" intensiviert hat. Davon betroffen sind neben den Grenzen zu den Benelux-Staaten auch die Infrastruktur an den Bahnhöfen und im Luftverkehr. Ob und wie viel Personal die Bundespolizei in Bahnhöfen und Flughäfen Berlins abstellen will, wollte ein Sprecher aus einsatztaktischen Gründen nicht sagen.

+++ DFB-Sicherheitschef zum Länderspiel. Der DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert hat sich zum Spiel am Samstag geäußert: "Selbstverständlich fließen die jüngsten Ereignisse von Brüssel und die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden vor Ort in die Lageeinschätzung für die Länderspiele in Berlin und München ein." Er wolle jedoch "ausdrücklich betonen", dass zum aktuellen Zeitpunkt keine konkreten Erkenntnisse für eine Gefährdung der Partien vorlägen. "Die örtlichen und nationalen Sicherheitsbehörden und der DFB bereiten sich gemeinsam mit allen Netzwerkpartnern wie bei jedem Länderspiel intensiv und in enger Abstimmung auf die anstehenden Veranstaltungen vor." Man habe gemeinsam das Sicherheitskonzept genauestens überprüft und einzelne Maßnahmen angepasst. "Unser Ziel ist dabei immer, die maximale Sicherheit der Fans und Sportler zu gewährleisten. Es gehört aber auch zu einer realistischen Betrachtung, dass im öffentlichen Raum niemand eine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann."

Gedenken vor der belgischen Botschaft am Gendarmenmarkt.
Gedenken vor der belgischen Botschaft am Gendarmenmarkt.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

+++ Beatrix von Storch: "Das Problem ist importiert"

Die Europa-Abgeordnete von der AfD, Beatrix von Storch, kommentiert die Ereignisse auf Facebook auf ihre Weise. Zuerst schrieb Berlins AfD-Vorsitzende: „Viele Grüße aus Brüssel. Wir haben soeben das Parlament verlassen. Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen überall. Offenbar viele Tote am Flughafen und am Zentralbahnhof. Hat aber alles nix mit nix zu tun.“ Später ergänzte sie: "Der Anschlag galt uns allen. Unsere Art zu leben, unsere Kultur soll getroffen und zerstört werden." Es gebe "eine eigene Kultur, eine die Deutsche mit Deutschen und Europäer mit Europäern verbindet. Sie ist verschütt gegangen unter all dem Multi-Kulti-Gequatsche." Und wer glaube, "das Problem löse sich mit Lichterketten, Integrationskursen und Wegsehen, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir haben ein Problem in Europa. Das Problem ist importiert. Wir vergrößern das Problem jeden Tag. Und: das Problem hat mit dem politischen Islam zu tun."

Weiße Rose auf schwarzer Treppe. Vor der Botschaft Belgiens wurden Blumen niedergelegt.
Weiße Rose auf schwarzer Treppe. Vor der Botschaft Belgiens wurden Blumen niedergelegt.Foto: Gina Dubiel

+++ Trauerbeflaggung in Mitte. Die Fahnen vor der Botschaft Belgiens in der Jägerstraße wehen jetzt auf Halbmast.

+++ Fernbusse fahren weiterhin nach und von Brüssel. Der Fernverkehr mit Bussen zwischen Berlin und Brüssel werde weiterhin wie geplant stattfinden, teilte eine Sprecherin der Eurolines Touring mit, die auch für berlinlinienbus.de fährt. Deutschlandweit würden die Busse wie geplant Richtung Brüssel starten, die belgische Hauptstadt ist ein hoch frequentierter Zwischenstopp. Die Busse würden in Brüssel allerdings nicht direkt am Busbahnhof halten, da dieser derzeit gesperrt sei. Stattdessen sei eine Ersatzhaltestelle in unmittelbarer Nähe aufgestellt. Die Eurolines berichtete bereits von mehreren Stornierungen für Fahrten nach Brüssel.

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Tote nach Explosionen in Flughafen und U-Bahn in Brüssel
Tote nach Explosionen in Flughafen und U-Bahn in Brüssel

+++ Müller: Sind in Gedanken bei den Opfern. Berlin trauert mit Brüssel. Auf den Treppen zum Botschaftsgebäude in der Jägerstraße am Gendarmenmarkt liegen die ersten Blumen im Gedenken an die Opfer der Anschläge. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte in einer ersten Reaktion: "Berlin ist in Gedanken bei den Todesopfern, den vielen Verletzten und ihren Familien seiner Partnerstadt Brüssel". Weiter sagte er: "Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft und unsere offene Lebensweise von solchen menschenverachtenden terroristischen Akten nicht zerstören lassen.“ Die menschenverachtenden Terrorakte zeigten, wie verwundbar Metropolen sind. "Der Senat, die Polizei und die zuständigen Behörden tun alles, um solche verbrecherischen Akte in unserer Stadt zu verhindern." Man gehe jedem sicherheitsrelevanten Hinweis nach.“

+++ EU-Abgeordnete berichtet aus Brüssel. Derzeit in der belgischen Hauptstadt ist die Brandenburger EU-Abgeordnete Susanne Melior (SPD) aus Michendorf. Sie berichtet: „Hier herrscht Ausnahmezustand. Meine Wohnung liegt unmittelbar neben dem Parlament. Die U-Bahnstation Maelbeek ist nur die Straße runter und um die Ecke. Als ich aus der Wohnung kam, wirkte auf der Straße alles noch recht normal. Im Parlament haben wir uns nach kurzer Besprechung trotzdem dafür entschieden, die geplante Abstimmung zu Glyphosat und zur Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln in unserer Ausschusssitzung durchzuführen. Allerdings haben wir zu Beginn eine Schweigeminute eingelegt, weil wir bereits wussten, dass es wenigstens 13 Tote gibt. Trotzdem, eine recht surreale Stimmung. Aber auch in den anderen Ausschüssen wird gearbeitet.“

+++ Henkel: "Müssen gegen den barbarischen Terror zusammenstehen"

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagt, die Nachrichten aus Brüssel seien "ein Albtraum. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Hauptstadt Europas. Ihnen gilt in diesen schweren Stunden unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Sie sind nicht allein." Der "barbarische Terror" sei "eine der größten Bedrohungen für unser Zusammenleben". Um sich "nicht vom Terror besiegen zu lassen", brauche es wachsame und verantwortungsvolle Sicherheitsbehörden. Henkel weiter: "Wir müssen die Wut in Entschlossenheit und die Angst in Vorsicht umwandeln. Hieran entscheidet sich die Stärke unserer offenen Gesellschaft." Zur Sicherheitslage in Deutschland sagt Henkel: "Ich versichere, dass die Behörden alles tun, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Wir haben es unverändert mit einer sehr ernstzunehmenden Sicherheitslage zu tun. Die Behörden haben ihre Maßnahmen bereits nach den grausamen Anschlägen von Paris angepasst, insbesondere auch bei Fußballspielen." Das Sicherheitsniveau sei "sehr hoch".

+++ Update Besucherterrasse Tegel. Wie Flughafensprecher Lars Wagner mitteilte, werden die Mitarbeiter, die sonst dort eingesetzt sind, am Terminal gebraucht. Normalerweise seien sie für die Kontrolle der Besucher
auf der Terrasse zuständig. Jetzt würden sie sich um die Passagiere kümmern, die Fragen zu ihren Flügen und möglichen Umbuchungen hätten. "Es handelt sich eindeutig nicht um eine Sicherheitsvorkehrung", sagt Wagner.

+++ Frühzeitige Anreise zum Länderspiel empfohlen. Die Olympiastadion Berlin GmbH empfiehlt Besuchern des Länderspiels Deutschland gegen England eine frühzeitige Anreise zum Stadion, da es zu umfangreichen Kontrollen kommen werde. Zu Einzelheiten der Sicherheitsvorkehrungen wollte sich der Betreiber nicht äußern, man stehe aber "in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Sicherheitsbehörden (Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr, etc.)" sowie dem Ordnungsdienst.

+++ Flughafen-Hotline in Berlin. Passagiere, die von den Berliner Flughäfen aus reisen wollen, haben die Möglichkeit, unter der Info-Telefonnummer 030-60911150 aktuelle Informationen zu erfragen.

+++Derzeit keine Absage des Länderspiels erwartet. Aus DFB-Kreisen ist zu hören, dass eine Absage des Spiels gegen England im Berliner Olympiastadion am Sonnabend aktuell nicht zur Diskussion steht. Es soll aber in Kürze eine neue Lagebeurteilung durchgeführt werden. Die nimmt die Sicherheitsabteilung des DFB in Zusammenarbeit mit den Behörden wie der Polizei vor. Dabei könnten dann Änderungen am Sicherheitskonzept beschlossen werden, etwa ein Einsatz von mehr Sicherheitspersonal. Nach den Terroranschlägen in Paris und der Absage des Länderspiels gegen die Niederlande in Hannover am 17. November hat der DFB die Sicherheitsvorkehrungen ohnehin bereits erhöht. Für die Spiele in Berlin gegen England und in München gegen Italien am Dienstag gibt es etwa eine Sicherheitsüberprüfung für alle Journalisten. Dieses Prozedere wird sonst nur bei konkreten Gefährdungsszenarien angewandt, etwa bei Spielen mit israelischer Beteiligung.

Schlange in Tegel. Passagiere nach Brüssel wurden nach Hause geschickt oder umgebucht.
Schlange in Tegel. Passagiere nach Brüssel wurden nach Hause geschickt oder umgebucht.Foto: Gina Dubiel

+++ Passagiere werden nach Hause geschickt. Auf dem Flughafen Tegel beginnt das große Umbuchen. Während Passagiere mit Reiseziel Brüssel nach Hause geschickt wurden, sollen Umsteiger über andere Flughäfen geleitet werden. So hofft eine Frau, die via Brüssel nach Malaga wollte, heute doch noch ihren Urlaubsort zu erreichen. Bange ist ihr wegen des Fluges nicht. „Man darf sich nicht einschüchtern lassen.“

+++ Notfallhotline für Angehörige. Via Twitter teilten die Berliner Flughäfen eine Notfallnummer für Angehörige mit, die sich am Flughafen Brüssel informieren wollen. Sie lautet 0032-2-753 73 00.

+++ BVG im Kontakt mit der Polizei. Die BVG teilte mit, sie stehe zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen in engem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden. Die Polizei sitze zudem mit in der Leitstelle und sei für Sicherheitskonzepte verantwortlich. Zu konkreten Details der Sicherheitsvorkehrungen wollte die Berliner Polizei sich am Dienstagvormittag nicht äußern. "Die Vorkehrungen sind auf hohem Niveau, wir werden die Maßnahmen den aktuellen Gegebenheiten anpassen", sagte eine Sprecherin der Polizei. Zu Details werde man sich nicht äußern.

 +++ Terrasse in Tegel gesperrt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Besucherterrasse auf dem Flughafen Tegel geschlossen. "Eine präventive Maßnahme", sagte ein Flughafensprecher.

+++ Bundespolizei prüft Vorgehen. Ob und inwiefern die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen verschärft werden, konnte die Bundespolizei noch nicht mitteilen. Nach den Anschlägen in Paris im vergangenen Jahr war die Präsenz von uniformierten Beamten auf den Airports erhöht worden. Polizisten patrouillierten mit Maschinenpistolen, Passagiere wurden „selektiv kontrolliert“.

+++ Flugverkehr nach Brüssel eingestellt. Um 8.35 Uhr sollte - kurz nach den Explosionen - ein Flugzeug der "Brussels Airlines" von Berlin-Tegel aus in die belgische Hauptstadt abheben. Dieses Flugzeug blieb am Boden. Gestrichen wurde auch der Flug einer "Ryanair"-Maschine, die um 11.05 Uhr vom Flughafen Schönefeld abheben sollte. Von beiden Flughäfen gibt es pro Tag je vier Verbindungen nach Brüssel.


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