• Terror vom Nachbarn: Auch runder Tisch der Polizei blieb erfolglos Rudower Rentner beschäftigte schon vor der Attacke

Berlin : Terror vom Nachbarn: Auch runder Tisch der Polizei blieb erfolglos Rudower Rentner beschäftigte schon vor der Attacke

auf 12-jährigen Jungen in über 100 Fällen die Behörden

Tanja Buntrock

Die Streitigkeiten zwischen dem 61-jährigen Horst H. und seinen Nachbarn aus dem Mackebenweg in Rudow beschäftigen schon seit Jahren die Polizei, den Bezirk und die Justiz. Im Polizeiabschnitt 51 sollen „eine dreistellige Zahl von Anzeigen“ gegen Horst H. eingegangen sein, bestätigt der Sprecher der Direktion 5, Ronny Frank. Für den querulierenden Rentner gibt es sogar einen eigenen Sachbearbeiter. Damit nicht genug. Die Polizeibeamten hatten mehrmals einen „runden Tisch“ eingerichtet, an dem der Ärger zwischen den Nachbarn und Horst H. geklärt werden sollte. „Eigentlich ist so etwas nicht unsere Aufgabe. Aber wegen der ständigen Probleme wollten wir von uns aus versuchen, hier der Ursache auf den Grund zu gehen und nicht immer nur – wie üblich – die Symptome bekämpfen“, sagt Frank. Alle Gespräche blieben aber ohne Ergebnis.

Doch seit Dienstag haben die Beamten etwas gegen den pöbelnden und gewalttätigen Rentner in der Hand. An jenem Nachmittag hatte Horst H. – wie berichtet – den 12-jährigen Steven Hennings vom Fahrrad gerissen und ihn gewürgt. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Als Grund nannte die Justizsprecherin Andrea Boehnke „Fluchtgefahr“.

Ronny Frank sagt: „Wir haben in diesem Fall natürlich alles möglich gemacht, dass der Mann nach der Attacke dem Haftrichter vorgeführt wird.“ Zuvor seien die meisten der Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten wie Beleidigung oder Ruhestörung geschrieben worden. „Das reichte vorher niemals für einen Haftbefehl aus.“ Hinzu kommt: Auch die Nachbarn hätten Horst H. schon öfter angegriffen, woraufhin er seinerseits Anzeige erstattet habe. Für die Polizei ein ewiges Hin und Her.

Auch die Justiz blieb nicht untätig. Ein psychiatrisches Gutachten zum Zustand von Horst H. hat das Gericht bereits im vergangenen Jahr eingeholt. Damals soll er versucht haben, Nachbarn zu überfahren. Ob auch im aktuellen Fall H.s psychischer Zustand überprüft wird, „müssen Staatsanwaltschaft und Gericht entscheiden“, sagt Justizsprecherin Andrea Boehnke. Sie widerspricht der Meinung der Anwohner aus dem Mackebenweg, dass die Behörden zu wenig täten. „Es gibt viele Berliner, die wegen Ruhestörung und sonstiger Delikte auffällig sind. Die kann man nicht sofort alle wegsperren oder in die Psychiatrie einweisen“, meint Frau Boehnke. Auch gäbe es keine bestimmte Anzahl von Anzeigen, die das rechtfertigten. „Es wird ja etwas gegen Horst H. unternommen.“ Nun müsse lediglich entschieden werden, ob Horst H. strafrechtlich belangt wird, oder aber sich herausstellt, dass er psychisch krank ist und möglicherweise in einer Einrichtung untergebracht werden muss.

Der Gesundheitsstadtrat von Neukölln, Michael Freiberg (CDU) sagt: „Horst H. wird von unserem sozialpsychiatrischen Dienst betreut.“ Doch dieser könne nur „reagieren und nicht agieren.“ Das bemängelt auch der Stadtrat. Man habe wegen der vielen „verhältnismäßig kleinen Delikte“ den Mann nicht richtig greifen können. „Dennoch haben wir schon vor einiger Zeit eine Ballung der Vorfälle gesehen und dies auch konkret der Staatsanwaltschaft gemeldet.“

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