Terrorverdächtige in Berlin : Wie geht die Stadt mit der Terrorgefahr um?

Monatelang hatten Sicherheitskräfte die beiden Männer beschattet – nun schlugen sie zu. Die Verhaftung von zwei Terrorverdächtigen in Berlin hat die Stadt am Donnerstag aufgeschreckt.

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Mit dem Rammbock unterwegs. Polizisten vor der Ar-Rahman-Moschee, in der sich die Bombenbauer regelmäßig aufgehalten haben sollen.
Mit dem Rammbock unterwegs. Polizisten vor der Ar-Rahman-Moschee, in der sich die Bombenbauer regelmäßig aufgehalten haben sollen.Foto: dapd

Die Verhaftungen sind nicht zuletzt deshalb ein großen Thema, weil in der Hauptstadt mehrere Großereignisse anstehen: die Berlin-Wahl am 18. September, der Papstbesuch am 22. September und der Berlin-Marathon am 25. September.

Werden nun die Sicherheitsvorkehrungen in Berlin verstärkt?

Vor den besonders gefährdeten Objekten der Stadt fuhren am Donnerstag keine Panzerwagen auf, keine Scharfschützen wurden postiert. Die Gefährdungslage habe sich durch die Entdeckung der Terrorzelle nicht erhöht, hieß es. In Berlin gilt seit Jahren eine „hohe abstrakte Gefährdung“, wie die Sicherheitsbehörden dies nennen – aber eben keine konkrete Gefährdung eines Objekts oder einer Person.

Vor den Botschaften der USA und Englands war die Polizeistärke deshalb am Donnerstag so wie in den letzten Monaten, ebenso im Regierungsviertel. Die Hedwigskathedrale war für Touristen und Gläubige frei zugänglich – nicht ein Polizeiauto stand vor der wichtigsten katholischen Kirche Berlins. Wegen des bevorstehenden Papstbesuches wurde natürlich über eine Verbindung spekuliert. Offiziell wurde diese jedoch nicht bestätigt. Bei dem Besuch gilt – wie bei vorangegangenen von Päpsten – die höchste Gefährdungsstufe 1. Mehrere Tausend Polizisten werden an diesen Tagen den Besuch sichern. Bei Experten hieß es gestern, die katholische Kirche stehe nicht im Fokus von Islamisten, eher Juden und „Ungläubige“.

Zuletzt waren nach der Terrorwarnung im Herbst 2010 die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hochgefahren worden. Vor allem auf Bahnhöfen und Flughäfen patrouillierten schwer bewaffnete Polizisten. Die Bundestagsverwaltung hatte einige Tage danach besonders scharf reagiert und die Kuppel für Besucher gesperrt und den Reichstag mit Gittern abgeriegelt. Bei Berliner Sicherheitsbehörden war dies intern als überzogen eingestuft worden. Erst seit April dieses Jahres dürfen Besucher wieder auf die Kuppel, aber erst nach Anmeldung und Überprüfung. Auch die Gitter stehen immer noch rund um den Reichstag, bewacht von Polizisten.

Schon vor dem Berlin-Marathon im vergangenen Jahr hatte Innensenator Ehrhart Körting im Tagesspiegel-Interview betont, die Vorstellung, dass man sich vor Terroristen schützen kann, indem ganz viele Polizisten auf die Straße oder vor U-Bahn-Eingänge gestellt werden, sei „Unsinn“. Mit diesem Argument war vor gut zehn Jahren auch der bis dahin traditionelle Polizist vor jedem Berliner Wahllokal bei Wahlen abgeschafft worden. Der beste Schutz vor Terrorismus sei, rechtzeitig Informationen über mögliche Anschläge zu bekommen. Dazu brauche man eine maximale Auswertung von Informationen der Nachrichtendienste, von verdeckten Ermittlern und anderen Quellen. Der damalige Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte nach der Terrorwarnung im Herbst 2010 versichert, dass die Lage mit der vorhandenen Stärke zu bewältigen sei, nicht einmal eine Urlaubs- oder Dienstfreisperre wurde verhängt.

Innensenator Körting dankte am Donnerstag der Polizei für die  „professionelle Arbeit“. Die Festnahmen hätten gezeigt, dass die Sicherheitsbehörden gut aufgestellt und vernetzt seien und die Gefahrenlage frühzeitig erkannt wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, was die Terrorverdächtigen mit den Kühlpads anfangen hätten können.

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