Terrorwarnung bei Tatlises : Superstar vor leeren Sitzen

Terrorwarnungen vermiesten Sänger Ibo den Auftritt.

Suzan Gülfirat

Das ist „Ibo“, wie die Fans Ibrahim Tatlises liebevoll nennen, in seiner jahrzehntelangen Karriere noch nicht widerfahren. Als er am Freitag gegen 22 Uhr auf die Bühne der Großen Arena des Tempodroms trat, sah er nur auf halb volle Ränge. „Trotz der ganzen Respektlosigkeiten seid ihr gekommen“, rief der türkisch-kurdische Megastar sichtlich betroffen den Fans in der Halle zu. Er meinte den Anschlag auf sein Konzert in Hannover vor drei Wochen und die Gerüchte, er werde deshalb nicht in Berlin auftreten. Wo sonst mehr als 3800 Besucher Platz haben, bejubelten ihn etwa 1500 Zuschauer.

Veranstalter Ertan Balcik zeigte sich am Sonnabend enttäuscht. „Für mich ist das Konzert eine riesige finanzielle Pleite“, sagte er dem Tagesspiegel. Der Anschlag in Hannover und der Bombenterror in Madrid hätten die Leute verunsichert. „Die Warnung der amerikanischen Botschaft vor dem Konzert tat ein Übriges“, ist sich Ertan Balcik sicher. Nachdem die Nachricht im Laufe des Freitags durch türkische und deutsche Medien gegangen war, hätten viele Besucher ihre bereits gekauften Karten wieder zurückgebracht. „So schafft es nicht ein Mal ein Ibrahim Tatlises das Tempodrom vollzukriegen“, sagte Ertan Balcik.

Die Zuschauer störten sich nicht an den leeren Stühle. Zuerst brachte sie die derzeit angesagteste Bauchtänzerin in der Türkei, Asena, in Stimmung. Als dann der „Imperator“ (so der Spitzname von Ibo) auf die Bühne trat, empfing ihn die Menge mit frenetischem Beifall und Riesenjubel. Das Publikum bestand aus jungen Leuten und Familien, zum Teil mit Babys, Kleinkindern und ihren Großeltern. Auch die Kleidung der Zuschauerinnen bot ein gemischtes Bild: Kopftücher hier, schulterfreie Shirts dort. Während sich manche weiblichen Fans in Schreikrämpfe steigerten, warfen andere diskret rote, glitzernde, kleine Tücher auf die Bühne, mit denen Folkloretänzer beim Tanzen wedeln. Auch einige deutsche Fans waren dabei, wie Ursula Lütje (59) aus Prenzlauer Berg. „Ich lerne Türkisch. Das ist mein drittes Ibo–Konzert“, sagte sie.

Zumindest auf eines war Veranstalter Ertan Balcik stolz: Die mehr als dreistündige Veranstaltung ging reibungslos über die Bühne.

0 Kommentare

Neuester Kommentar