Testbetrieb : Am neuen Flughafen wird der Koffer-Stau geprobt

Am neuen Schönefelder Flughafen herrscht bereits Hochbetrieb: damit der Start im Juni 2012 problemlos vonstatten geht, wird der Ablauf immer wieder geprobt. Dabei sind Pannen durchaus erwünscht.

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Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Alexander Obst/Marion Schmieding/Berliner Flughäfen
25.11.2011 12:09Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.

Schönefeld - Das Gepäckband stockt; nichts geht mehr. Alle Abfertigungsschalter stehen still, davor stapeln sich die noch nicht aufgegebenen Koffer und Taschen für den Flug der Lufthansa nach Stockholm. Silke Quiel bleibt ganz gelassen und schiebt ihren blauen Helm nach hinten. „Wir sind aus Tegel und Schönefeld Kummer gewohnt“, sagt sie. Und jetzt sei sie überrascht, wie gut bisher alles funktioniert habe – beim Probebetrieb am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt in Schönefeld.

Am Donnerstag war wieder ein Tag zum Ausprobieren. Bis Mitte Mai werde es noch weitere 42 Test-Tage für die Mitarbeiter von rund 190 Unternehmen und Institutionen geben, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Beim Probebetrieb werden auch absichtlich Fehler eingebaut, um die künftigen Mitarbeiter am Flughafen darauf vorzubereiten. Der Kofferstau am Check-In-Schalter ist jedoch echt. „Auch das wollen wir erleben“, sagt Paul Hoppe. Er arbeitet beim Flughafen München, der sich darauf spezialisiert hat, nach seinem gelungenen Umzug 1992 von München-Riem ins Erdinger Moos andere Flughäfen bei ähnlichen Projekten zu unterstützen. Nach Moskau und Durban ist bei Hoppe jetzt Berlin dran.

Die Schwachstellen im System sollen im Probelauf gefunden werden, nicht nach der Eröffnung bei vollem Betrieb. Die Bänder laufen nach fünf Minuten wieder. Hoppe ist zufrieden. Er hat die künftigen Mitarbeiter des neuen Flughafens zuvor eingewiesen, jetzt müssen sie selbst handeln.

Die Tester tragen blaue Westen mit der Aufschrift ORAT, was „Operational Readiness and Airport Transfer“ heißt und Probeläufe, Betriebsbereitschaft und Umzug bedeutet. Die Kontrolleure in Orange sind für die Tester nicht vorhanden; eingreifen sollen sie nämlich nicht. Und die Westen der Sicherheit sind gelb. Ein buntes Durcheinander. Helme sind erforderlich, weil auf einer Baustelle geübt wird. Während Silke Quiel und ihre Kolleginnen von Globe Ground das Einchecken üben, ackern neben ihnen die Handwerker weiter.

Entspannt sieht auch Melanie Köpcke von der Bundespolizei bei den simulierten Kontrollen an den künftigen Sicherheitsschleusen zu. Sie kennt das Metier von ihrer Arbeit in Tegel und Schönefeld und war jetzt von Anfang an auch an den Tests beteiligt. Kontrolliert werde die neue Technik, nicht die Arbeit der Mitarbeiter, sagt die Frau mit den blonden kurzen Haaren.

Im Handgepäck befinden sich häufig Messer oder Feilen oder Flüssigkeiten, die nicht mitgenommen werden dürfen. Werden sie beim Check entdeckt, wandert die Wanne mit der Tasche auf ein zweites Förderband, wo es dann extra kontrolliert wird. So gibt es keinen Stau bei den Nachkontrollen, sagt Köpcke ein bisschen stolz auf das von der Bundespolizei entwickelte System.

Das aufgegebene Gepäck ist inzwischen in der automatischen Sortieranlage gelandet. Dort wird jetzt auch das schnelle Aufladen von Transitgepäck geübt. 340 Koffer und Taschen sollen in 15 Minuten in den Zwischenspeicher wandern. Und es klappt. Dabei sind die Pannen doch so erwünscht. An der Gepäckanlage wird allerdings auch schon seit Monaten geübt. Dafür klappt’s mit dem Fehler dann beim sogenannten Boarding. Eine Bordkarte ist falsch, doch der Warnton des Erfassungsgeräts bleibt aus. Jetzt wird geprüft, woran es lag.

Unterdessen lässt Boris Bruig in der Leitstelle des Flughafens einen Easyjet- Flug streichen. Deren System lasse den Testflug, der einschließlich Flugnummer simuliert wird, noch nicht zu, sagt Bruig. Auch das ist in Ordnung, denn Flugausfälle wird es auch künftig geben. Üben kann auch hier nicht schaden.

Im Februar wird der Test mit Komparsen erweitert, die die Rolle von Passagieren übernehmen. Dann sind wieder Pannen erwünscht. Aber nur bis zum 3. Juni 2012. Dann sollen gegen 6 Uhr die beiden ersten Maschinen im Echtflug starten – wahrscheinlich je eine von Air Berlin und der Lufthansa.

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