Teste die Kabine : Aktion Mensch prüft Barrierefreiheit der Wahllokale

Schlagersänger Guildo Horn ist mit Behinderten auf Tour durch Deutschland: Nicht, um Musik zu machen, sondern um Wahllokale auf Barrierefreiheit zu checken.

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Vier gewinnt. Barrierefrei in die Urne einwerfen wollen Petra Groß, Michael Wahl, Guildo Horn, Raul Krauthausen.
Vier gewinnt. Barrierefrei in die Urne einwerfen wollen Petra Groß, Michael Wahl, Guildo Horn, Raul Krauthausen.Foto: dpa

Die Truppe ist gut drauf. „Eigentlich wollten wir ja Micha ans Steuer setzen“, scherzt Guildo Horn, Diplom-Pädagoge, Musiker und derzeit Truck-Fahrer der Wahllokal-Testertour durch Deutschland. Mit Micha ist der Journalist Michael Wahl gemeint, er sieht so gut wie nichts, daher spielt er auch Blindenfußball – genau der Richtige fürs Steuer also. Da witzelt Behindertenaktivist und Bundesverdienstkreuzträger Raoul Krauthausen, der kleine große Mann mit der Glasknochenkrankheit im Elektrorollstuhl: „Das wäre doch mal echte Inklusion!“

Es ist wahrlich eine bunte engagierte Truppe, die die Aktion Mensch da für ihren Test „Wie barrierefrei wählt Deutschland?“ gewinnen konnte. Die Tour der größten bundesweiten privaten Förderorganisation im sozialen Bereich startete am Montag in Berlin, dann geht es nach Hamburg, Köln, Kassel und München. Am Montag rollte Raoul Krauthausen zum Auftakt zum Nachbarschaftsheim in der Kreuzberger Urbanstraße.

Er bahnt sich den Weg durch die Medienvertreter – dann in den Aufzug, vorbei an der Behindertentoilette: Alles wurde dank des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor fünf Jahren eingebaut. Und? „Man sollte die Stahltür offen halten, besser ausschildern, Stolperfallen grellgelb markieren und viel Platz zum rangieren lassen“, empfiehlt Krauthausen, Gründer von „Sozialhelden e.V.“. Millionen mobilitätseingeschränkte Menschen „wollen die Wahl haben, das Erlebnis der Stimmenabgabe in einem Wahllokal haben zu können. Wir wollen uns nicht vorschreiben lassen, wie wir demokratische Grundrechte ausüben.“

Mit-Testerin Petra Groß freut, dass immer mehr Parteien ihre Wahlprogramme in leichter Sprache herausgeben. Michael Wahl wünscht sich Audio-Infos und Braille-Beschriftung. Armin von Buttlar, Aktion-Mensch-Vorstand, der Bundesbehindertenbeauftragte und Parteienvertreter plädieren für untertiteltes und gebärdengedolmetschtes TV-Programm und Kanzlerduelle, für ein Bundesteilhabegesetz, für barrierefreie Parteibüros. Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach sagt, dass rund 20 Prozent der 1709 Wahllokale in Berlin nicht behindertengerecht seien. Die Behörden helfen zwar, aber Alternativen müssen sich die Betreffenden selbst suchen.

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