Berlin : Teure Autos in Brand gesteckt, Kleinwagen beschädigt

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Unbekannte haben im Süden der Stadt mehr als 40 Autos in einer Nacht beschädigt. In Rudow waren zwei Rollerfahrer unterwegs, die offenbar gezielt die Heckscheiben von Autos einwarfen. Kurz vor zwei Uhr hatten Anwohner das Klirren gehört und die Polizei in den Kiez an der Neudecker Weg gerufen. Als sie aus dem Fenster blickten, erkannten die Anwohner, wie der Unbekannte auf dem Roller die Straße hinunterfuhr, ein Mann auf dem Rücksitz die Scheiben von Klein- und Mittelklassewagen mit Steinen einwarf – die direkt daneben geparkten teuren Autos aber verschonte. Die beiden konnten flüchten. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Von einem politischen Motiv geht die Polizei aus bei den Bränden in Zehlendorf und Steglitz, wo in der Nacht zu Donnerstag gleich neun Autos in Flammen aufgingen. Unbekannte zündeten in der Bolchener Straße, nahe dem S-Bahnhof Sundgauer Straße, kurz vor Mitternacht fünf Autos der Marken Mercedes und Audi an. Außerdem wurden zwei in der Nähe geparkte Mittelklassewagen durch das Feuer beschädigt. Ein halbe Stunde später brannte dann ein Audi in der Gutsmuthsstraße, kurz darauf stand ein Mercedes in der Hackerstraße in Flammen.

Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten die brennenden Fahrzeuge löschen, verletzt wurde niemand. „Wir vermuten einen politischen Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Es spreche einiges dafür, dass die Brände von ein und denselben Tätern verübt wurden.

Offenbar scheint sich der Schwerpunkt der Anschläge zu verlagern. Brannten bisher vor allem Autos in Kreuzberg und Friedrichshain, werden nun auch Autos in anderen Vierteln angezündet. Schon in der Nacht zu Mittwoch ging ein Mercedes in der Köbisstraße in Tiergarten in Flammen auf. Christian Hanke (SPD), Bezirksbürgermeister von Mitte, betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Da schaukelt sich etwas hoch“, sagte er. Norbert Kopp (CDU), Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, fordert mehr Polizei auf den Straßen. „Es sollten mehr Zivilstreifen patrouillieren“, sagte er. Außerdem mahnt Kopp, dass ein härteres Durchgreifen der Justiz notwendig sei, um Nachahmer abzuschrecken.

Erst am Mittwoch war Detlef M., der im Mai in Friedrichshain einen BMW angesteckt hatte, zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss der 43-Jährige 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Björn Stephan

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