Berlin : Teure Leerflüge zwischen Bonn und Berlin auf Kosten des Steuerzahlers

Eva Schweitzer

Knirschen im Regierungsapparat verursacht die Aufteilung der Bundesministerien auf Bonn und Berlin bereits jetzt: Weil das Verteidigungsministerium seinen ersten Dienstsitz in Bonn hat, befindet sich dort auch die Flugbereitschaft der Bundeswehr. Und die fliegt in der Regel Minister und auch den Bundeskanzler über die Lande. Das Kabinett aber sitzt inzwischen in Berlin. Konsequenz: Wenn ein Flugzeug gebraucht wird, startet es aus Bonn, landet in Berlin, lädt den Minister ein, fliegt zu dem eigentlichen Ziel, kommt wieder nach Berlin zurück, um den Minister auszuladen und fliegt dann wieder nach Bonn - oft genug leer.

Das verursacht nicht nur zusätzliche Kosten in Höhe von einigen zehntausend Mark pro Einsatz, es kann auch schon mal zu Engpässen kommen: Bundeskanzler Gerhard Schröder musste zuletzt Ende September einen Staatsbesuch in der Schweiz absagen. Das dafür bereitgestellte Flugzeug hatte einen Defekt, der erst in letzter Minute entdeckt wurde. Ein neues Flugzeug samt Crew hätte mehrere Stunden nach Berlin gebraucht, zu lange, als dass Schröder den Termin mit der Schweizer Bundespräsidentin Ruth Dreifuss noch hätte einhalten können.

Das Bundesverteidigungsministerium allerdings will die Flugstaffel - außer dem "Kurzstreckenbereich" - auch weiterhin auf dem Flughafen Köln-Bonn belassen. "In Berlin haben wir nicht die nötige Infrastruktur", hieß es von der dortigen Pressestelle. Zumal solle ja Tegel, wie man höre, geschlossen werden, wohin also dann mit den Flugzeugen? Man versuche, die Flugbereitschaft so zu organisieren, dass Leerflüge vermieden werden, aber man könne in Berlin nicht zwei bis drei Flugzeuge bereit halten. "Wo sollen wir die hinstellen?" Ohnehin seien plötzlich auftretende Defekte wie die vom September nicht sehr häufig.

Wie viele dieser Flüge nun tatsächlich leer stattfinden und auch, was ein - einstündiger - Flug von Bonn nach Berlin überhaupt kostet, konnte die Pressestelle nicht sagen. Darüber werde keine Statistik geführt. Die Flugbereitschaft der Bundeswehr hat sieben Challenger-Jets und zwei Airbusse, letztere noch aus Beständen der DDR-Fluggesellschaft Interflug übernommen. Eine noch ältere Boeing 707 wurde vor kurzen aus dem Verkehr gezogen. Bei zivilen Airbussen rechnet man mit rund 13 000 Mark pro Flugstunde, dazu kommen Landegebühren, die einige tausend Mark betragen können. Bei der Bundeswehr sind die Kosten allerdings höher, da die Flugzeuge sehr viel personalaufwendiger gewartet werden; beispielsweise werden die Wartungscrews regelmäßig in Montreal geschult.

Die Personalkosten laufen über den normalen Personaletat der Bundeswehr und sind daher schwer zu kalkulieren. Ohnehin wird inzwischen überlegt, für den Transport von Regierungsmitgliedern künftig Kooperationen mit privaten Fluggesellschaften einzugehen. Dies sei billiger und auch in anderen Ländern, beispielsweise in den USA, üblich.

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