Berlin : Teure Schikane

Bewährung für 39-Jährigen, der Bekannte beim Amt anschwärzte

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Mit Ärger kann man andere ärgern. Vor allem, wenn man ihnen Unannehmlichkeiten mit Ämtern beschert. Das tat Michael I., als er sich wieder einmal langweilte und so richtig sauer war über seine Ex-Freundin. Der 39-Jährige begann, sie und seine beiden Nebenbuhler bei Behörden anzuschwärzen und mit falschen Bestellungen zu schikanieren. „Dit war nur als Denkzettel gedacht“, sagte der arbeitslose Gebäudereiniger aus Prenzlauer Berg gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. Dort musste er sich wegen Urkundenfälschung in elf Fällen verantworten. Jedesmal sollte es ans Geld gehen. Im Namen seiner einstigen Lebensgefährtin und eines ihrer neuen Freunde meldete er beim Finanzamt Hunde zur Steuer an, die es gar nicht gab. Für beide arbeitslosen „Rivalen“ erfand er gegenüber dem Arbeitsamt Jobs und sorgte dafür, dass zumindest vorübergehend kein Geld floss. Er buchte eine Reise für seine Ex-Freundin, bestellte unter ihrem Namen die Zeitschrift „Eishockey News“ oder meldete einen ihren Freunde als gemeinnützigen Spender mit 60 Euro im Quartal an.

„Ich war einfach sauer, weil meine Ex nicht erlaubte, dass ich unsere beiden Kinder sehe“, meinte der Angeklagte. „Haben Sie einen Hund?“, wollte der Richter wissen. Michael I. nickte. Die nächste Frage lag auf der Hand: „Zahlen Sie Hundesteuer?“ Der hagere Michael I. zuckte zusammen: „Bis jetzt nicht.“ Die Bekannten seiner Verflossenen hätten ihm „eigentlich nischt jetan“, sagte I. kleinlaut. „Aber ick war damals alleene.“ Und er habe alle Betroffenen fast täglich im Imbiss „Döneria“ getroffen und sich jedesmal aufs Neue geärgert.

Die Sache mit dem Arbeitsamt tat dem Angeklagten bald Leid. Er wollte den beiden Männern etwas Gutes tun und stahl aus dem Keller einer älteren Dame eine Kiste mit sechs Flaschen Cognac. „Ick trinke nicht, der Schnaps sollte zur Wiedergutmachung sein.“ Und unter Tränen versicherte der mehrfach Vorbestrafte, dass er „nie wieder“ etwas anstellen werde. „Ich habe jetzt eine neue Freundin, die gibt mir Halt.“ Für den Richter waren die Briefe unter falschem Namen „kindisch“ bis „unverschämt“. Gegen Michael I. wurde eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten verhängt. Zudem muss er 350 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Kerstin Gehrke

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