Berlin : Teure Tierliebe

Die Feuerwehr holte den Dackel aus dem Fuchsbau. Seit 2005 kostet so was. In diesem Fall: 5286 Euro

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Gelöscht und gerettet wird umsonst. Für alles andere kassiert die Feuerwehr – und nicht zu knapp. Gestern wurde eine Rechnung abgeschickt, Adressat: der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann, dessen Dackel namens Paul vom Jagd-Instinkt Ende April in einen Fuchsbau getrieben wurde, und zwar so tief, dass er nicht mehr alleine hinaus fand. Wellmann wählte die 112, die Feuerwehr rückte mit vier Autos aus und brauchte ( wie berichtet) viereinhalb Stunden, um das Tier zu bergen. Die gestern abgesandte Rechnung für diesen Dienst lautet auf genau 5286,70 Euro.

Das berechnet sich nach Gebührenordnung aus der Zahl der eingesetzten Autos und der Stunden: 3873 Euro für die Technik, 1402,20 fürs Personal, oben drauf 11,50 Euro Gebühren. Um Paul aus dem Fuchsbau zu holen, hatte man sogar einen Radlader eingesetzt, der 20 Kubikmeter Erde beiseite schaufelte.

Berlin hatte erst 2003 Gebühren beschlossen, später als andere Städte. Anfang 2003 hatte der damalige Feuerwehrchef Albrecht Broemme angekündigt, dass ab dem Frühjahr kassiert werde. Fünf Millionen Euro sollten pro Jahr so in die Landeskasse kommen. Doch dann ließ erst das Gesetz ein Jahr auf sich warten – und dann fehlte ein weiteres halbes Jahr die Software, um Rechnungen zu schreiben. Das war erst Anfang 2005 möglich.

Bis dahin musste auch bei selbst verschuldeten Feuerwehreinsätzen die Allgemeinheit zahlen. Ob der Wellensittich vom Baum geholt oder der Keller ausgepumpt werden musste. Nun werden in solchen Fällen Rechnungen geschrieben.Das Geld landet aber in der Landeskasse, nicht bei der Feuerwehr.

Die Gebühren sollten zudem die immens hohe Zahl von Fehlalarmen senken. Pro Jahr rückte die Feuerwehr bislang etwa 2500 Mal vergeblich aus, weil zu sensibel eingestellte Brandmeldeanlagen Alarm schlugen. Zu manchen Hotels oder Bürogebäuden – besonders am Potsdamer Platz oder am Alexanderplatz – rückte die Feuerwehr teilweise mehrmals täglich aus. Seitdem jeder Fehlalarm kostet, hätten die Hauseigentümer endlich gehandelt und die Technik verbessert, hieß es.

Vor allem technische Hilfeleistungen kosten Geld. 50 000 Euro musste eine Spedition zahlen, deren mit Kerosin beladener Tanklastzug auf der Stadtautobahn einen Unfall verursachte und leer gepumpt werden musste. Die teuerste Dienstleistung ist mit 584 Euro pro halbe Stunde der Rettungshubschrauber, es folgen die Feuerlöschboote mit 385 Euro pro halbe Stunde. Das teuerste Auto ist mit 274 Euro ein Rüstwagen, der technische Geräte an den Einsatzort bringt.

Auch in der Rechnung für die Rettung von Dackel Paul schlägt allein der Rüstwagen mit 1644 Euro zu Buche.

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