Berlin : Teurer Fehler: Bagger zerstört Gasrohr – Ku’damm gesperrt

U-Bahnhof dicht, Geschäfte stundenlang geschlossen. Händler drohen der Baufirma jetzt mit Klagen

Jörn Hasselmann

„Das haben die Bauarbeiter jetzt am Hacken“, lästerte ein Feuerwehrmann am Morgen, während der starke Gasgeruch über den Kurfürstendamm waberte. „Das“, das war eine ganze Menge Ärger: eine bis zum späten Nachmittag gesperrte Haupteinkaufsstraße, ein geräumter U-Bahnhof, frustrierte Geschäftsleute, die ihre Läden nicht öffnen durften, Dutzende Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz. Um 8 Uhr früh hatte ein Baggerfahrer vor dem früheren Kino „Filmbühne Wien“ seinen Pressluftmeißel angeschaltet, um das Betonfundament des früher dort aufgestellten Krans unter dem Gehweg zu zerkleinern. Doch mit dem Beton zerschlug der Meißel sofort auch eine 40 Zentimeter dicke Gasleitung an mehreren Stellen – mit lautem Pfeifen zischte Gas heraus. Der Ku’damm wurde sofort zwischen Joachimstaler Straße und Fasanenstraße abgeriegelt.

Da das Gas auch in die U-Bahn drang, wurde der U-Bahnhof Kurfürstendamm geschlossen, die U9 und U15 fuhren durch. Explosionsgefahr habe aber nie bestanden, sagte Landesbranddirektor Broemme am Unglücksort. Gegen 14 Uhr waren die Lecks freigelegt, damit war die Gefahr gebannt. Sechs Stunden lang war das Gas „kontrolliert ausgeströmt“, wie es hieß, die Feuerwehr stand bereit. In der Lietzenburger und Joachimstaler Straße brach der Verkehr zusammen. In Richtung Osten wurde der Ku’damm um 12 Uhr wieder freigegeben. In Richtung Halensee wurde die erste Spur erst gegen 16 Uhr geöffnet, die Busspur blieb zu.

Das Kino Filmbühne Wien wurde vor dreieinhalb Jahren geschlossen, seitdem wird das denkmalgeschützte Gebäude umgebaut. Verantwortlich für die Arbeiten ist die Firma ABB Gebäudetechnik als Generalunternehmer. Der Bagger selbst sei aber von einem Subunternehmer bestellt worden. ABB-Bauleiter Lothar Heiliger sprach dennoch von einer „Katastrophe“. „Wir müssen untersuchen, wie das geschehen konnte – und wie weit die Versicherungen reichen“, sagte Heiliger dem Tagesspiegel.

Denn es könnte teuer werden. So hat der Eigentümer von „King’ Teagarden“, Werner Schmitt, schon seinen Anwalt eingeschaltet. Dabei hatte Schmitt noch Glück, er konnte um 12 Uhr seinen Laden öffnen. Auf der anderen Straßenseite konnte der Direktor des Nobel-Juweliers Bucherer erst kurz vor 16 Uhr den ersten Kunden begrüßen. „Ein Riesenschaden“, sagte Lutz Reuer. Der Juwelier will nun eine Sammelklage gegen die verantwortliche Firma prüfen lassen. Schon am Morgen sagten Feuerwehrleute auf dem Ku’damm offen: „Die Bauleute sind schuld.“ Das bestätigten später die Fachleute. Bei der Gasag hieß es lapidar: „Natürlich durften die das nicht.“ Etwa zwei, drei Mal im Monat habe man derartige Schäden durch unvorsichtige Arbeiter, „nur noch nie an einer so prominenten Stelle“. „Das ist für alle Beteiligten unglaublich teuer“, sagte Manuela Schulz von der Gasag. Der Leiter des Tiefbauamtes Charlottenburg, Klaus Knittel, bestätigte, dass eine Baufirma vorher genau prüfen müsse, welche Rohre und Leitungen im Boden liegen – gerade am Ku’damm seien das eine Menge.

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