Berlin : Teurer Parken: Doppelter Ärger in Mitte

Anwohner und Geschäftsleute sind gegen die Ausweitung der Zone

Heiko Wiegand

So sieht er aus, der Autofahrer-Alltag in Mitte, Rosenthaler Straße: Annette von Enzberg hat ihren Golf höchstens fünf Minuten in der Ladezone stehen lassen. Sie hatte die Warnblinker angeschaltet, ist schnell im Geschäft verschwunden, um etwas abzuholen. Dann wollte sie schnell weiter. „Jetzt habe ich einen Strafzettel“, sagt sie verärgert. Die Hebamme streitet sich noch ein bisschen mit den beiden Polizisten herum, die ihr eben das Knöllchen hinter den Scheibenwischer geklemmt haben. Sie hat keine Chance. Zehn Euro Verwarnungsgeld kostet sie der Kurzaufenthalt im verbotenen Bereich.

Seit die Spandauer Vorstadt Anfang 2002 zur Parkzone erklärt worden ist, werden Parksünder rigoros zur Kasse gebeten. Doch nun will der Bezirk, wie berichtet, ab 2004 diese Zone noch ausweiten: Jetzt ist das Karree zwischen Invalidenstraße, Chausseestraße und Brunnenstraße dran. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich.

Anwohner und Geschäftsleute der künftigen neuen Zone laufen Sturm gegen das Vorhaben. In der Spandauer Vorstadt hingegen können viele diesen Protest nicht verstehen. Sie hätten mit den scharfen Parkregeln fast durchweg positive Erfahrungen gemacht, sagen sie. Die zudem geplante Erhöhung der Parkgebühr noch in diesem Jahr in ganz Mitte von einem auf zwei Euro pro Stunde lehnen allerdings die meisten Betroffenen ab. „Da ist die Schmerzgrenze überschritten“, heißt es.

Anwohner müssen bisher eine Vignette für 30 Euro kaufen und bleiben ein Jahr unbehelligt. Aber auch eine Erhöhung dieser Gebühr ist im Gespräch.

„Die Parkgebühren für Nichtanwohner sind stadtökologisch sinnvoll – viele fahren nicht mehr in das Viertel rein. Außerdem finden Anwohner leichter einen Parkplatz“, sagt Andreas Fichtner, Geschäftsführer des Restaurants „Oxymoron“ in den Hackeschen Höfen. Mit einer Erhöhung auf zwei Euro ist er allerdings nicht einverstanden. Raul Wittstock, Geschäftsführer im benachbarten Restaurant „Hackescher Hof“ sieht es ähnlich: „Wir haben wegen der neuen Parkregeln von unserer Kundschaft noch nichts Negatives gehört.“ Offenbar kommen auch nicht weniger Gäste in Restaurants und Läden, seit die Parkzone besteht – obwohl Parkplätze teuer sind.

In der nördlichen Ackerstraße sieht man das ganz anders. Sie liegt in der erweiterten Parkzone, und hier schimpft Christine Reuter, Leiterin einer Internet-Firma: „Das ist geschäftsschädigend“. Viele ihrer Kunden kommen mit dem Auto. „Die wären alle von den Mehrkosten betroffen.“

Anwohnerin Heike Nehl kann nicht verstehen, warum sie demnächst fürs Parken eine Vignette kaufen soll. Und Gastronomin Rosa Pane fürchtet um ihre Kunden, „die oft in der zweiten Reihe stehen, um hier einen Kaffee zu trinken. Die kommen doch nicht mehr, wenn das Parken auch noch ’ne Menge Geld kostet.“

Auch die Polizei im zuständigen Abschnitt 31 sieht die geplante Erweiterung skeptisch: „Trotz der Kontrollen sind die Autofahrer in der schon bestehenden Parkzone nicht disziplinierter geworden. Es wird immer noch falsch geparkt.“

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