Berlin : Teures Eröffnungsfest vor Gericht

Ex-Geschäftsführer des Olympiastadions verklagt

Die früheren Geschäftsführer der „Olympiastadion Berlin GmbH“ (OSB) sollen persönlich dafür haften, dass die Eröffnungsfeier für das sanierte Stadion im Sommer 2004 etwa 1,4 Millionen Euro teurer war als geplant. Am 19. Juni wird eine Klage der landeseigenen OSB, vertreten durch den Aufsichtsrat, vor dem Berliner Landgericht verhandelt. Ingo Schiller, Winfried Schwank und Thomas Speck sollen Schadensersatz leisten. Der vierte Ex-Geschäftsführer, Jürgen Kießling, ist verstorben.

Die Sportverwaltung des Senats bestätigte gestern die Klage, die „in Zusammenhang mit der Planung und Durchführung der Veranstaltung zur Wiedereröffnung des Olympiastadions“ am 31. Juli und 1. August 2004 stehe. Der OSB-Aufsichtsratchef, Staatssekretär Thomas Härtel (SPD), wollte sich wegen des schwebenden Verfahrens nicht weiter äußern. Auch Schiller, langjähriger Geschäftsführer von Hertha BSC, nahm zu dem außergewöhnlichen Rechtsstreit nicht Stellung. Er legte aber Wert auf die Feststellung, „dass die Klage mit dem Verein nichts zu tun hat“. Hertha BSC hatte seine Anteile an der OSB vor zwei Jahren ans Land Berlin verkauft.

Beim großen Stadionfest sangen Pink und Nena, Daniel Barenboim dirigierte, die Hertha-Fußballer spielten gegen Besiktas Istanbul und am Ende gab es ein Feuerwerk. Allerdings kamen weniger Zuschauer als erhofft, trotz günstiger Eintrittspreise. Die Veranstaltung wurde nur von regionalen Radiosendern, nicht von ARD oder ZDF im Fernsehen übertragen, und es fehlten zahlungskräftige Sponsoren. Die Vorbereitungszeit war knapp. Erst im Januar 2004 wurde der Sportwissenschaftler Winfried Schwank als OSB-Geschäftsführer eingekauft. Der Senat, die Hertha-Führung und der zeitweilige Mitgesellschafter Walter Bau-AG hatten sich zuvor in Personalquerelen erschöpft. Schwank galt als Verlegenheitskandidat und gab acht Monate später seinen Job wieder auf.

Die teure Wiedereröffnung des Stadions wurde hinterher von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG überprüft. Alles dies wäre aber längst vergessen, hätte sich der politisch besetzte OSB-Aufsichtsrat jetzt nicht auf das GmbH-Gesetz besonnen und Klage eingereicht. Demnach können Geschäftsführer bei erwiesener Pflichtverletzung für finanzielle Schäden persönlich haftbar gemacht werden. Die Gegenseite wird sich, so hört man, auf das unternehmerische Risiko berufen, dem jedes wirtschaftliche Handeln ausgesetzt ist. Darüber entscheiden muss die Kammer für Handelssachen des Landgerichts. za

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