Berlin : Teures Grün

Schlösser-Chef Dorgerloh und der FDP-Politiker Lüdeke denken über Eintrittsgeld für Parks nach. Pro & Contra: Soll man für ihre Benutzung bezahlen?

Christian van Lessen

Eintrittspreise für öffentliche Parks zu verlangen, ist nicht gerade populär. Für Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, ist das Thema dennoch „nicht vom Tisch“, die Stiftung will im März darüber diskutieren. Dort, wo Preise verlangt werden, etwa im Britzer Garten, im Erholungspark Marzahn oder auf dem Schöneberger Südgelände, werden ein oder zwei Euro ohne viel Murren geschluckt.

Nun macht die Eintrittspreis-Diskussion auch vor Berlins größtem Park, dem Tiergarten, nicht Halt. Zwar mag sich kein Politiker vorstellen, für den ganzen Park Eintritt zu verlangen. Aber für bestimmte Teile, etwa den Englischen Garten, den Rosengarten, auch für ausgewiesene Grillplätze, könnten Gebühren erhoben werden, sagt etwa der FDP-Abgeordnete Klaus-Peter von Lüdeke. In der nächsten Woche will seine Fraktion über ein neues Grün-Konzept beraten.

„Unser Vorzeigepark – eine einzige Katastrophe. So kann es nicht weitergehen“, sagt der Abgeordnete. Dass es dem Tiergarten an Pflege fehle, sei offensichtlich. Die Bewirtschaftung von Teilen des Parks sollte auf andere Füße gestellt werden. Bei Grillplätzen böten sich wegen des anfallenden Mülls und der aufgestellten Container Gebühren an. Wenn die Stadt auf den Tourismus setze, müsse sie sich mehr um das Aussehen des Parks kümmern. „Ich kann mir vorstellen, dass – wie im Münchener Englischen Garten – Teile privat bewirtschaftet werden, da übernimmt etwa der Betreiber eines Biergartens einen Teil der Parkpflege“. Wenn Teile des Tiergartens so gestaltet seien, dass sie eine besondere Attraktion darstellten, könnte dafür Eintritt genommen werden. „Das diskutieren wir in der Fraktion.“ Betreiber könnten der Bezirk sein, Private oder auch die „Grün Berlin Park- und Garten-Gesellschaft“: „Die haben Erfahrung.“

Er könne sich vorstellen, dass sich die Begeisterung für solche Eintrittspreis-Pläne in Grenzen halte. Aber der Tiergarten und andere Parks müssten wieder attraktiver werden. Dabei sollte versucht werden, „in bescheidenem Maße“ Einnahmen, eventuell über die Gastronomie, zu erzielen. Kleine Parks könnten beispielsweise auch von Unternehmen bewirtschaftet oder von Hauseigentümern betreut werden, wie in London.

Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer der landeseigenen Grün-Gesellschaft, ist „dafür, dass die Bürger für etwas, das wirklich gut ist und in gehobenem Zustand erhalten wird, an erhöhten Kosten beteiligt werden“. Beispiel sei der Britzer Garten, einst Ausstellungsgelände der Bundesgartenschau. Der Park liegt über dem üblichen Standard, erfordert mehr Pflegekosten. Der Eintrittspreis (normal 2 Euro) spielt 35 Prozent der Bewirtschaftungskosten ein, genau die Mehrkosten gegenüber einer x-beliebigen Grünanlage. Die Pflege von blühenden Flächen ist aufwendiger, in Britz wird 14 Mal jährlich gemäht, fast doppelt so viel wie sonst in Parks. Das Buga-Gelände zählt jährlich eine Million Besucher, die sich von Kosten nicht abschrecken lassen. „Das wird angenommen“, sagt Gottfriedsen. Eintrittsgeld sei nur bei Gegenwert berechtigt. „Sieht eine Fläche schlecht aus, ist es schwer, Geld dafür zu verlangen.“

Auf dem Schöneberger Südgelände ließ die Grün-Gesellschaft Mitte 2003 „Parkscheinautomaten“ aufstellen, wobei das Zahlen nicht streng kontrolliert wird. Die Bereitschaft, für den Spaziergang durch eine gepflegte Mischung aus Natur, Kunst und Technik einen Euro zu zahlen, sei groß. Bis zu 10 000 Besucher werden jährlich erwartet.

Im Tiergarten sieht Gottfriedsen „eine Reihe von Einrichtungen, bei denen ich denke, dass man dafür einen Euro Eintritt verlangen könnte.“ Auch er nennt an erster Stelle den Englischen Garten in der Nähe der Siegessäule. Warum sollte es nicht möglich sein, von Autofahrern, die entlang der Straße des 17. Juni parken, Geld zu verlangen, das dem Tiergarten zugute kommt? Oder das Geld aus der Silvesterparty für die Pflege des Tiergartens nehmen? „Ich glaube, dass die Parkanlage selbst Geld verdienen kann.“ Das System der Parkscheinautomaten könne auch auf kleine Parks ausgedehnt werden. Wenn die Leute wüssten, „die machen was Schickes und wir zahlen dafür ein Drittel der Kosten“, ließe sich das durchsetzen.

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