Berlin : Teures Pflaster

Bonner AOK-Bundesverband plant 2007 Umzug an den Hackeschen Markt Projekt eines gemeinsamen Bürogebäudes mit Berliner Kasse damit vom Tisch

Ingo Bach

Über die neue Adresse dürfte sich manches AOK-Mitglied wundern: Der in Bonn ansässige Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen will nach Tagesspiegel-Informationen direkt in das angesagte Szeneviertel am Hackeschen Markt in Mitte ziehen. Die künftige Kassen-Zentrale soll in dem denkmalgeschützten ehemaligen Wertheim-Kaufhaus an der Rosenthaler Ecke Sophienstraße entstehen. Der unter einem Gerüst verborgene Bau steht seit Jahren leer.

Unter Immobilienexperten zählt die Gegend zu den teuersten Bürolagen der Stadt. Trotzdem habe sich das Angebot nach einer europaweiten Ausschreibung als das wirtschaftlichste erwiesen, sagt Udo Barske, Pressesprecher des AOK-Bundesverbandes. Der Mietvertrag ist ausgehandelt, kann aber noch nicht unterzeichnet werden. Denn das Bundesgesundheitsministerium prüft derzeit die Wirtschaftlichkeit des für Ende 2007 geplanten Umzuges in die Hauptstadt.

Zur Höhe der Miete wollte der AOK-Sprecher keine Angaben machen. Aber die ausgehandelten Konditionen würden im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung natürlich berücksichtigt. Man hoffe, noch in diesem Jahr vom Ministerium grünes Licht für den Umzug zu bekommen, sagt Barske. An dem vom Verwaltungsrat der Kasse vor drei Jahren beschlossenen Zeitplan 2007/2008 habe sich nichts geändert. Beim AOK-Bundesverband arbeiten rund 400 Beschäftigte.

Mit dieser Wahl hat sich die AOK-Bundeszentrale von der Idee verabschiedet, mit der Berliner AOK am Köllnischen Park in Mitte gemeinsam einen Bürokomplex hochzuziehen. Der sollte rund um die denkmalgeschützte ehemalige Berliner AOK-Hauptverwaltung an der Rungestraße entstehen und über 57 000 Quadratmeter Geschossfläche bieten.

Doch daraus wird nun nichts. Denn das Bezirksamt Mitte verweigerte dem Vorhaben die Genehmigung. Vor allem der Querriegel auf dem Innenhof war den Stadtentwicklern ein Dorn im Auge – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Bau hätte sämtliche umliegenden Häuser weit überragt, heißt es aus dem Bezirksamt. Dies sei stadtplanerisch nicht genehmigungsfähig gewesen.

Und allein kann die Berliner Allgemeine Ortskrankenkasse das Projekt Rungestraße nicht stemmen. Nun wird sie die Grundinstandsetzung des eigenen Bürokomplexes an der Wilhelmstraße, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist, nicht mehr aufschieben können. 35 Jahre hat der Kreuzberger AOK-Büroturm gegenüber der SPD-Zentrale auf dem Buckel, ohne dass er grundlegend überholt worden wäre – schließlich hoffte man auf den Neubau am Köllnischen Park. Doch nun soll dem Vernehmen nach im kommenden Frühjahr die Sanierung beginnen und so aufwändig ausfallen, dass sie sich nicht im laufenden Betrieb erledigen lässt. Das bedeutet, dass ein großer Teil der in der Zentrale Beschäftigten für die Sanierung ausziehen muss. Der Publikumsverkehr in den Berliner AOK–Geschäftsstellen solle dadurch aber nicht gestört werden, heißt es.

Durch die Sanierung könne man Geld sparen, hofft man in der Kasse, die auf die finanzielle Unterstützung der Ortskrankenkassen in anderen Bundesländern angewiesen ist. Denn in der erneuerten Hauptverwaltung ist mehr Platz für Büros – und dadurch ließen sich angemietete Außenstandorte aufgeben.

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