Berlin : Teures Provisorium

Ein Jahr Flugbetrieb und ein Abfertigungsgebäude: Ein Vergleich könnte hohe Kosten verursachen

Klaus Kurpjuweit

Den möglichen Vergleich beim Schließungstermin für Tempelhof würde sich die Flughafengesellschaft viel kosten lassen. Falls die Bahn den Flugbetrieb nicht Ende Oktober 2007 übernimmt, muss die Flughafengesellschaft nicht nur den Verkehr in Tempelhof ein weiteres Jahr aufrechterhalten, sondern in Schönefeld für die Privatflieger auch ein neues Abfertigungsgebäude bauen, dass nach der Eröffnung des ausgebauten Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) wohl wieder abgerissen werden muss.

Während der Verlust in Tempelhof, den die Flughafengesellschaft bei einem erfolgreichen Vergleich übernehmen muss, nach ihren Angaben etwa bei zehn Millionen Euro liegen dürfte, macht sie keine Angaben zu den finanziellen Aufwendungen in Schönefeld für das Provisorium. Beim Senat hält man die Ausgaben für gerechtfertigt, weil es nach einem erfolgreichen Vergleich endlich Rechtssicherheit für den Schließungstermin gebe und einem mittelständischen Unternehmen wie der Windrose Air, die mit ihren Geschäftsflugzeugen nach Schönefeld umziehen müsste, geholfen würde.

Ursprünglich sollte in Schönefeld für die Geschäftsflieger der bestehende Abfertigungsbereich im Süden des Flughafens erweitert werden. Dort ist auch der Bau eines neuen Hangars für das Abstellen der Privatmaschinen vorgesehen. Diese Anlage hätte man auch nach dem BBI-Ausbau für die Geschäftsflieger weiter nutzen wollen. Die Privatkunden sollen auf jeden Fall getrennt von den übrigen Passagieren in einem Extra-Bereich abgefertigt werden.

Charterunternehmen wie die Windrose Air, die Flugzeuge samt Besatzung vermietet, war der Weg in den Südbereich des Flughafens jedoch zu weit. Um zum Abfertigungsbereich zu kommen, müssten die Kunden auf zum Teil schmalen Straßen um das Flughafengelände herumfahren. Auf diesen Straßen findet zudem der Baustellenverkehr für den BBI-Ausbau statt. Die Kunden würden dann bis zu einer halben Stunde im Stau stehen können, befürchtete Windrose-Chef Thomas Stillmann. Die Kunden würden dann ausbleiben, was die Existenz des Unternehmens mit seinen rund 50 Arbeitsplätzen gefährde.

Um ihm entgegenzukommen, hat die Flughafengesellschaft angeboten, vorübergehend ein Terminal für diese Kunden im Nordteil des Flughafens zu errichten. Die Zufahrt dorthin ist wesentlich einfacher, weil im Mai 2008 die Autobahn vom Stadtzentrum am Teltowkanal entlang direkt bis zum Nordteil des Flughafens führt. Damit die Geschäftsflieger diese Möglichkeit nach einem Umzug von Tempelhof von Anfang an nutzen können, hat das Oberverwaltungsgericht vorgeschlagen, Tempelhof erst Ende Oktober 2008 zu schließen.

Während der Terminal für die Privatflieger nach der BBI-Eröffnung wieder verschwinden soll, hat die Flughafengesellschaft noch kein Konzept, was mit den bisherigen Abfertigungsgebäuden für den Linien- und Charterverkehr geschehen soll.

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