Berlin : Tewaags unmögliche Mission

Sohn von Uschi Glas wegen Amtsanmaßung in seiner MTV-Fernsehsendung zu 1200 Euro Strafe verurteilt

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Mit einem Auftritt als SEKMann scherzt man nicht. Mit einem gefesselten und geknebelten Mann, der in einen Kofferraum verstaut als „Verrückter“ in einer Klinik abgeliefert werden sollte, auch nicht. Verstehen kann Benjamin Tewaag das zwar nicht. Für die Richter spielte das aber keine Rolle: Der älteste Sohn von Schauspielerin Uschi Glas wurde gestern wegen Amtsanmaßung, Missbrauch von Notrufen, Vortäuschen von Straftaten und Missbrauch von Abzeichen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 20 Euro (1200 Euro) verurteilt.

Es geht um Sketche mit versteckter Kamera. Die drehten der 29-jährige Tewaag und sein Team für die Reihe „Mission-MTV“. Die Ideen stammten von Tewaag, damals noch Moderator beim Musiksender MTV und heute nach eigenen Angaben arbeitsloser Schauspieler, der auf Pump lebt. Tewaag gab sich bei den Dreharbeiten mehrfach als Polizist aus, der Autos oder Radfahrer stoppte. Einmal spielte er einen gefesselten Häftling, der befreit werden wollte. Diese Fälle fand das Tiergartener Schöffengericht nicht unbedingt lustig, aber auch nicht strafbar.

Anders die Sache mit dem angeblichen SEK-Einsatz. Als Tewaag in der Uniform des Sondereinsatzkommandos (SEK) sein Publikum mit der angeblichen Festnahme von drei Prominenten erheitern wollte, seien die Grenzen der Kunstfreiheit überschritten worden, urteilten die Richter. Im Gegensatz zu Theatervorstellungen sei hier für Unbeteiligte nicht sofort erkennbar gewesen, dass es sich nur um einen Scherz handelte. Zu weit sei das Team auch bei der Szene vor einer Nervenklinik gegangen. Dass die schockierte Pförtnerin die Polizei alarmieren würde, sei vorhersehbar gewesen. Da sei das Rettungssystem missbraucht worden.

Tewaag, der schon mehrfach als „wilder Ben“ Schlagzeilen machte und nach Prügeleien vor Gericht stand, hatte Freispruch verlangt. Er will sich bei der Produktionsgesellschaft stets versichert haben, dass juristisch alles in Ordnung sei.

Nach der Urteilsverkündung gab Tewaag wieder ganz den Coolen und kündigte Berufung an. Zu dem „Gag“ als SEK-Mann meinte er lächelnd: „Es ist dann wohl die höchste Form der Amtsanmaßung, wenn ich eine Königin spiele.“ Die Sache sei absolut harmlos gewesen, er habe doch keine alten Omas verschreckt, sagte Tewaag. Vielmehr seien die Prominenten Freunde von ihm gewesen. K. G.

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