Berlin : Thaiboxen war härter

Ab und zu leistet sich Ex-No-Angel Nadja Benaissa einen Personal Trainer, damit sie regelmäßig joggen geht. Fit sein will sie – für ihre zweite Karriere

Sebastian Leber

Eines weiß ich genau: Wenn ich so unbeständig singen würde, wie ich jogge, würde das mit meiner Musik-Karriere garantiert nichts werden. Es gibt Phasen, da laufe ich jeden Tag 30 Minuten, aber dann lasse ich es wieder viel zu lange schleifen.

In solchen Zeiten hilft es, wenn mich jemand triezt und nervt und zum Laufen zwingt – deshalb leiste ich mir ab und an den Luxus eines persönlichen Trainers. Damals bei den No Angels hatten wir Detlef D. Soost, der war ein exzellenter Trainer. Ganz einfach deshalb, weil er gnadenlos war und kein bisschen Mitgefühl mit uns hatte.

Wenn ich mich erst einmal aufgerafft habe, ist das Joggen eine feine Sache. Ich entspanne, schalte ab, denke für ein paar Minuten einfach mal an gar nichts. Außer meinem Trainer begleitet mich niemand beim Laufen, Musik höre ich auch keine. Aber nicht aus Prinzip, sondern weil ich seit Monaten nicht dazu komme, mir einen iPod anzuschaffen. Vielleicht krieg´ ich das Ding ja zu Weihnachten geschenkt, dann könnte ich mir einen speziellen Musikmix zum Laufen zusammen stellen. Was da auf jeden Fall drauf muss: viel Elektro-Reggae und ein paar Songs von John Legend.

Übrigens werde ich beim Laufen auch nie von Fremden angesprochen. Höchstens gibt’s mal ein „Äh, hallo“, dann grüße ich zurück und bin auch schon wieder über alle Berge. So gesehen ist Joggen ein ausgezeichneter Kommunikations-Brecher. Stehenbleiben geht ohnehin nicht, das bringt den Kreislauf durcheinander. Und noch eine eiserne Regel, an die man sich dringend halten sollte: Gegen Ende niemals abrupt aufhören, sondern ganz langsam das Tempo runterfahren!

Bei mir zu Hause im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen habe ich zum Joggen direkt den Wald vor der Haustür. Und wenn ich beruflich in Berlin bin, übernachte ich gerne im Hotel Esplanade am Lützowufer. Von da laufe ich immer am Landwehrkanal entlang. Überhaupt joggt es sich in Berlin besser als in Frankfurt, hier gibt’s so viele Parks und überall Wasser. Heißt es nicht, Berlin sei das deutsche Venedig? Ich jogge meist morgens, das empfiehlt sich schon deshalb, weil ich dadurch wacher werde als durch den stärksten Kaffee. Nach einem Vier-Kilometer-Lauf bin ich topfit für Aufnahmen im Tonstudio – oder jetzt, wo ich meine neuen Songs fertig habe, für Live-Auftritte und Interviews.

Richtig lange Pausen vom Joggen gab es in meinem Leben erst zweimal: Nach der Geburt meiner Tochter Leila musste ich drei Monate warten, bis die Wunde vom Kaiserschnitt verheilt war. Und vor zwei Jahren wurde ich wegen Knieproblemen operiert. Das kam davon, weil ich bei den No Angels ständig hohe Absätze getragen habe. Von diesen beiden Auszeiten abgesehen, habe ich mein ganzes Leben lang viel Sport gemacht und hart trainiert. Am härtesten war’s in meiner Jugend, da ging ich zum Thaiboxen und wurde von den Trainern nicht gerade zimperlich behandelt. Als Mädchen hatte ich aber eigentlich noch Glück: Wenn die Jungs müde waren, hat man sie einfach mit dem Stock geschlagen.

Alle Serienfolgen im Internet unter www.tagesspiegel.de/laufen

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