Thanksgiving in Berlin : Nicht nur in Amerika wird gefeiert

In den USA ist Thanksgiving der wichtigste Familienfeiertag. Rund um das Erntedankfest wird auch in Berlin geschmaust.

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Diese zwei Truthähne wurden traditionell vom U.S. Präsidenten Barack Obama begnadigt.
Diese zwei Truthähne wurden traditionell vom U.S. Präsidenten Barack Obama begnadigt.Foto: AFP

Eigentlich ist Thanksgiving ein uramerikanisches Fest. Gefeiert wird es jedes Jahr am letzten Donnerstag im November. Truthähne oder Puten kommen an diesem Donnerstag aber auch in etlichen Berliner Häusern auf den Tisch. US-Amerikaner, die hier leben und es nicht nach Hause schaffen, zelebrieren den großen Familienfeiertag dann halt fern von daheim. Vor dem eigentlichen Thanksgiving luden Botschafter John Emerson und seine Frau Kimberly wie ihre Vorgänger in ihre Residenz ein, um die Spitzen der Berliner Gesellschaft mit den uramerikanischen Traditionen noch vertrauter zu machen. Und die Fulbright-Kommission, eine deutsch-amerikanische Austauschorganisation, feierte am Montagabend mit dem Botschafter den Feiertag in der Alten Pumpe in Tiergarten vor.

Wie bei Erntedank wird bei Thanksgiving die Ernte gefeiert

Das Erntedankfest, wie es übersetzt heißt, geht zurück auf ein Festessen im Jahr nach der Ankunft der Puritaner in der Neuen Welt. Sie waren entschlossen, ihre Religion frei zu praktizieren. Nach einem überaus harten Winter, in dem die Hälfte von ihnen starb, baten sie die Indianer in der Nachbarschaft um Hilfe. Diese lehrten sie, wie man Mais und Gemüse pflanzt. Die reiche Ernte des folgenden Herbstes inspirierte die Pilgerväter zu dem ersten großen Fest – die Mutter aller Thanksgiving-Traditionen.

Viele Amerikaner aus Berlin flogen für das Fest nach Hause

Wer in den vergangenen Tagen in Tegel ein Flugzeug Richtung USA bestiegen hat, war mit großer Wahrscheinlichkeit von Mitpassagieren umgeben, die nach Hause flogen, um Thanksgiving mit ihrer Familie zu feiern. Es ist der höchste amerikanische Feiertag, der alle Amerikaner, egal welcher Herkunft oder Religionszugehörigkeit, vereint. Deshalb wird es in den Staaten am Donnerstagnachmittag so still, wie bei uns Heiligabend am Nachmittag. Auch wenn es Diskussionen gibt, weil sich nicht mehr alle Geschäfte an die Feiertagsruhe halten, sind die meisten Amerikaner doch damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für das Festmahl zu treffen, sich schön anzuziehen und die Gäste zu empfangen. Thanksgiving ist wie Weihnachten – nur ohne Geschenkestress und entsprechende Erwartungshaltungen.

Foto: PantherMedia / alexraths

Eine auch in Berlin beliebte Ableitung von "Thanksgiving" ist "Friendsgiving". Da sammelt sich ein Freundeskreis als moderner Familienersatz in der Großstadt um den gedeckten Tisch. Ein großer Truthahn gehört – zumindest nach US-amerikanischer Tradition – dazu. In der Dahlemer Residenz des Botschafters wird er in voller Pracht präsentiert, bevor er zerlegt wird. Das Auseinandernehmen des Tieres ist meist Ehrenaufgabe der Männer, die sich dazu gern mit Schürzen dekorieren. Kimberly Emerson bescheinigt ihrem Mann John, dass er das Zerlegen des Truthahns perfekt beherrsche. Beim Fulbright-Dinner hatte er Gelegenheit, das vor den Gästen souverän zu beweisen. Essentiell ist Cranberry Sauce, die amerikanische Antwort auf Preiselbeerkompott. Auch Apfelmus, Süßkartoffeln und Sahnezwiebeln werden gern zum Truthahn serviert. Als Dessert gibt es Kürbiskuchen. In den Familien beginnt das Fest oft mit einem gemeinsamen Gebet. Schließlich wurde Amerika auch erfunden, damit alle Religionen in Freiheit miteinander leben können. Außerdem drückt der Geist des Festes Dankbarkeit aus für das Glück, das man im Leben hat, und für die Freiheit, in der man leben kann.

Auch hierzulande wird Thanksgiving gefeiert

Das alles sind Anlässe, die auch hierher passen. Da Deutschland die Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich von den Amerikanern gelernt hat, ist es nicht mal aus der Luft gegriffen, Thanksgiving auch hier zu praktizieren. Oft wird das Fest verbunden mit jeder Art von Engagement. An diesem Donnerstag teilen John und Kimberly Emerson das Thanksgiving-Mahl mit US-Soldaten in Wiesbaden. Daheim in Kalifornien haben sie sonst neben guten Freunden auch Bekannte eingeladen,<?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1"?><hugo-resources><hugo-resource type="picture" id="26436371">http://10.102.0.16:8080/huGOAPI-resource/picture-26436371?user=HELENA.PIONTEK&amp;signature=7df58f8010f94e3d2116b74cc0adb60acc82e91d</hugo-resource></hugo-resources> die alleine sind. Frühere Botschafter sind an diesem Tag schon mal in Obdachlosen-Einrichtungen gegangen.

An dem Wochenende, das dem vierten Donnerstag im November folgt, haben zum Beispiel Schulen und Hochschulen geschlossen. Am Freitag nach dem Fest, dem sogenannten "Black Friday", beginnt das Weihnachtsgeschäft mit verführerischen "Sales". Auch hierzulande taucht der Begriff "Black Friday" inzwischen in Werbeanzeigen auf. Er steht für supergünstige Sonderpreise, die in den USA oft zu Schlangen vor den Läden führen.

Aber auch auf der Tauentzienstraße wird es am Sonnabend vermutlich eng.

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