Theater am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz : Wer buddelt denn da an der Volksbühne?

Zwei Männer kamen mit Schaufeln und verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Andreas Conrad spekuliert über einen Vorfall am Volksbühnen-Rad.

Noch steht das Denkmal vor der Berliner Volksbühne.
Noch steht das Denkmal vor der Berliner Volksbühne.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Hörspiel „Der Blaumilchkanal“, einem Werk des großen Satirikers Ephraim Kishon, setzt der titelstiftende Kasimir Blaumilch, aus einer Anstalt entflohen, mitten auf Tel Avivs Hauptverkehrsstraße den Presslufthammer an. Das irre Projekt ruft alsbald die ratlose Stadtverwaltung auf den Plan, die sich nicht anders zu helfen weiß, als weitere Arbeiter zu schicken. Zuletzt hat die Stadt tatsächlich einen Kanal, stolz auf sich als „Venedig des Nahen Ostens“.

Da hat Berlin, die Stadt der endlosen wie unerklärlichen Baustellen, noch mal richtig Schwein gehabt, dass ihr am Freitag nicht Ähnliches widerfuhr. Obwohl der vor der Volksbühne registrierte Vorfall anfangs durchaus vergleichbare Züge zu haben schien: Aus heiterem Himmel fängt jemand mitten in der Stadt zu buddeln an und keiner weiß Bescheid.

Wer war's?

Jedenfalls nicht die Institution, die es als erste betrifft. Denn die zwei Männer, die gegen Mittag mit Spaten bewaffnet auf dem Rosa-Luxemburg-Platz anrückten, machten sich ausgerechnet am umstrittenen Volksbühnen-Wahrzeichen zu schaffen. Die Nachfrage im Theater löste dort erst mal großes Erstaunen aus, aber bevor man nachschauen konnte, war das buddelnde Duo schon wieder verschwunden.

Fast hätte das Spekulationen, um in der Bilderwelt des Blaumilchkanals zu bleiben, alle Schleusen geöffnet. Beim Abbau des Wachhäuschens am Checkpoint Charlie 1990 waren die Pflastersteine darunter begehrte Souvenirs. Wollte sich da jemand – hätte man denken können – vorsorglich Erinnerungsbrocken sichern für den Fall, dass das Rad verschwindet?

Doch fuhr das Schippen-Duo, wie der einzige Zeuge berichtet, in einem Lieferwagen mit der Aufschrift „Atelier Haußmann“ davon, was die Möglichkeiten wieder eingrenzt. Haußmann – so hieß doch der Künstler, der einst das Rad nach dem Entwurf des Chefbühnenbildners Neumann anfertigte? Eigentlich schade: Doch kein Canal Grande für Berlin.

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