Berlin : Theater des Westen: Millionenspiel um Musicalbühne

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Wird das Theater des Westens privatisiert? Am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Senat erneut mit der Zukunft der Musicalbühne an der Kantstraße. Dann soll unter anderem geklärt werden, ob weiterhin zusätzliche Mittel für die Unterhaltung des Hauses fließen sollen. Derzeit wird die Bühne mit 20 Millionen Mark jährlich subventioniert.

Als Alternativen haben sich drei potenzielle Bewerber bei der Senatskulturverwaltung empfohlen. Die 108 Mitarbeiter sollen dabei übernommen werden. Grundsätzliches Interesse signalisiert zum Beispiel der holländische Musicalkonzern Stage Holding, der schon das Metropoltheater erworben hat und derzeit saniert. "Wir sind offen für Gespräche", sagt Sprecher Michael Hildebrandt. Bislang habe lediglich das Schiller-Theater zur Diskussion gestanden, aber auch das Theater des Westens sei interessant. Auch Peter Schwenkows Entertainment AG wird Interesse an dem 1400-Platz-Haus nachgesagt.

Denkbar wäre auch eine andere Lösung. So sehe sich Peter Lund von der Neuköllner Oper jederzeit in der Lage, ein Konzept zur Weiterführung des Theaters des Westens innerhalb von zwei Wochen vorzulegen, sagte der Sprecher der Oper, Nils Steinkrauss. "Wir würden gern gefragt werden, wenn es um die künstlerische Neugestaltung des Theaters geht." Lunds Konzept setze allerdings voraus, dass das Theater weiterhin mit 20 Millionen Mark pro Jahr unterstützt wird. "Unser künstlerischer Anspruch ist schließlich ein anderer als der der privaten Betreiber", so Steinkrauss weiter.

Mehrmals stand das Theater in der Vergangenheit vor dem finanziellen Aus, geriet Intendant Elmar Ottenthal in die Kritik. Zuletzt musste dem Orchester und dem Ensemble der Bühne gekündigt werden. Außerdem wurde die Zahl der Produktionen von zwei auf eine reduziert. Die Abfindungszahlungen für die Angestellten in Höhe von 4,2 Millionen Mark werden im August fällig und machen eine erneute Finanzspritze nötig. Außerdem hatte Berlins neue Kultursenatorin Adrienne Goehler dem Theater erst im Frühsommer eine Rate überwiesen, die erst Ende des Jahres fällig gewesen wäre und somit eine Insolvenz abgewendet. Schuld an dem Dilemma sind unter anderem die schlechten Einspielergebnisse der Ottenthal-Produktion "Schwejk". Mit "Falco Meets Amadeus" war es ihm dagegen gelungen, den Anteil der Eigeneinnahmen am Etat von 17 Prozent vor zwei Jahren auf zuletzt fast 50 Pozent zu steigern.

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