Berlin : "Theater gegen Aids": Pop-Tenöre und Glitzerdiva im Lavalicht der Palastbühne

Tobias Arbinger

So rot wie die Neonbuchstaben am Friedrichtadtpalastes in der Nacht leuchteten am Montagabend die Aidsschleifen an der Abendgarderobe vieler Besucher der Galashow "Theater gegen Aids". Zum zweiten Mal hatte das Revuetheater zu der Sondervorstellung geladen, deren Einnahmen ausnahmslos der Berliner Aids-Hilfe zugute kommen. Intendant Alexander Iljinskij und Abendschau-Sprecher Michael Flotho führten durch das Programm, eine Mischung aus "Fest der Stimmen", Tanz- und Artistikshow, ein Kessel Buntes unterm blauglitzernden Vorhang der Palastbühne.

Die Tenöre Erkan Aki, Alexandru Badea und Björn Casapietra hatte Iljinskij neben vielen anderen Künstlern für den Abend gewonnen. Der türkischstämmige Schweizer Aki gehört derzeit zu den Hoffnungsträgern der Pop-Klassik-Industrie, der Rumäne Badea wird von einigen als neuer Pavarotti angesehen. Knackige Tänzer des Friedrichstadt-Balletts zeigten den "Maschinensturm" aus der Berlin-Revue. Ein Artist ließ sich von einer Akrobatin buchstäblich auf der Nase herumtanzen. Mary, die Diva des Abends, blendete das Publikum im voll besetzten Parkett mit ihrer atemberaubenden Glitzerrobe. Schauspieler Wolfgang Völz bot sich ihr als "Zwirndirne" an. Im Publikum zeigten unter anderem Walter Momper, Super-Illu-Chef Jochen Wolff, die Schauspielerinnen Barbara Schöne und Angelika Mann sowie Finanzsenator Peter Kurth Gesicht im Kampf gegen die Krankheit.

Hinreißend: der Balztanz des Komischen-Oper-Balletts, bei dem die Tänzerinnen zu Richard Strauss ihre Petticoats lüpften, die Herren im Smoking Breakdance übten. Stiller Hauptdarsteller des Friedrichstadtpalastes ist zudem immer die Lichttechnik - auf die Bühne projizierte blaue Kegel, olympische rauchdurchwaberte Ringe, Sternchen und Lava-Lampeneffekte. Am Broadway war Indendant Alexander Iljinskij vor drei Jahren auf die Idee des "Theaters gegen Aids" gekommen. Wie in New York haben Künstler in den letzten zwei Wochen nach den Vorstellungen im Palastfoyer und anderswo um Spenden gebeten. "Allein 40 000 Mark sind so zusammengekommen", sagte Iljinskij. Mit den Einnahmen aus der Gala können der Berliner Aids-Hilfe nun insgesamt über 85 000 Mark überwiesen werden.

Mit einigen Beats mehr pro Minute als das Orchester des Friedrichstadtpalastes spielte, ließen DJs zur anschließenden Party die Kalkscheune erzittern. Wo einst Clubmacher "Cookie" seinen Kultstatus begründete, labten sich die Gäste am Buffet und an der reizenden Gesellschaft der Ballettdamen. Neben Ex-Theater-des-Westens-Intendant Helmut Baumann und Sängerin Angelika Weiz zeigte sich auch Björn Casapietra. Er freute sich über seine Premiere im Revuehaus, das er noch "von Partys und Weinachtsfeiern" in seiner Kindheit kennt. Casapietras Eltern waren eng mit Mitgliedern des Revue-Ensembles befreundet.

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