Theater im Freien : Sturm auf dem Südgelände

Die Shakespeare Company Berlin hatte lange keinen festen Spielort. Jetzt wird sie auf dem früheren Schöneberger Bahnareal heimisch. Dort konnte sie einen Teil der Kulissen des Globe Theatres aus Roland Emmerichs Film „Anonymous“ aufbauen.

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Theater ohne Dach. Die Zuschauerränge stammen aus dem Film „Anonymous“ . Die Shakespeare Company Berlin hat sie auf dem Schöneberger Südgelände aufgebaut. Foto: Davids
Theater ohne Dach. Die Zuschauerränge stammen aus dem Film „Anonymous“ . Die Shakespeare Company Berlin hat sie auf dem...Foto: DAVIDS

Der Wind rauscht in den Birken, die Vögel zwitschern, leise heult die S-Bahn in der Ferne – und Caliban, der Sohn der toten Hexe, dreht durch. Mit irrem Blick unter der wirren grauen Mähne malträtiert er eine E-Gitarre und ruft: „Die Insel ist mein!“ Sommerabend auf dem Schöneberger Südgelände. „Der Sturm“ wird von der Shakespeare Company Berlin aufgeführt. Es geht auf der Bühne unter anderem um Menschen, die aus ihrem Zuhause auf eine einsame Insel vertrieben werden. Um den Streit, wem die Insel nun gehört. Und um weitere Schiffbrüchige, die auf dem Eiland stranden.

So passt das Stück bestens zur Geschichte der Berliner Theatergruppe um den Gründer und künstlerischen Leiter Christian Leonard, der Shakespeare- Übersetzer und Schauspieler ist: „Wir haben eine Odyssee der Standortsuche hinter uns, die mehr als zwölf Jahre gedauert hat.“ Jetzt sind sie endlich auf dem Schöneberger Südgelände sesshaft geworden. „Ein Kleinod und malerischer Ort, eine kulturelle Insel, mitten in der Stadt, aber versteckt“, nennt Leonard die neue Spielstätte. Dort konnten sie endlich Teile des „Globe Theatre“ aufstellen. Natürlich nicht des echten Londoner Theaters, das 1599 an der Themse erbaut wurde und in dem Shakespeare seine Premieren inszenierte. Sondern Teile des Nachbaus, den Hollywood-Regisseur Roland Emmerich verwendete, als er 2010 seinen Shakespeare-Film „Anonymous“ in Babelsberg drehte.

Leonard und rund 30 Mitglieder der Shakespeare Company waren damals als Schauspieler in kleineren Rollen dabei. Sie mussten zeigen, dass sie tanzen und fechten können.

Nach den Dreharbeiten überließ ihnen Emmerich die Kulissen und zahlte einen Teil des Abbaus. Doch damit begannen die Schwierigkeiten. Lange fanden sie keinen Platz, um es in Berlin aufzubauen. Der Schlossplatz war im Gespräch. Die Plätze vor und hinter der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz. Doch überall gab es Hindernisse, Verantwortliche machten Rückzieher. Im vergangenen Jahr fand sich kein Ort, um das Globe aufzustellen.

Die Theatertruppe spielte zwar ohne die Filmkulisse schon vorigen Sommer erstmals einige Male auf dem Südgelände. Doch es sah so aus, als sei das auch wieder nur ein Übergangsort – so wie vorher schon die Museumsinsel, das „Shake!-Zelt“ an der East Side Gallery, der Pfefferberg und der Heimathafen Neukölln,. Und dann waren da noch all die technischen Probleme, die Leonard und seine Mitstreiter erst mit der Zeit mitbekamen: „Man stellt es sich so einfach vor, das Theater wiederaufzubauen, aber vieles war nur für den Film und nicht für die Ewigkeit.

Der Kern der Fassade war zum Beispiel ein Baugerüst. Sie ließ sich nicht retten und rekonstruieren. „Aber zum Glück sind wir finanziell mit plus-minus- null davongekommen – dank Spenden“, sagt Leonard. Also bauten sie jetzt im Park nur die Zuschauerränge und den Rundbogen für den Eingang auf.

Aber schon diese Elemente verbreiten eine ganz besondere Atmosphäre. Und natürlich die Schauspieler. Sie laufen in ihren Kostümen schon vor der Aufführung zwischen den Zuschauern herum und spielen auf verschiedenen Instrumenten – wie auch in den Aufführungen.

„Romeo und Julia“, „Ein Sommernachtstraum“ und „Die Zähmung der Widerspenstigen“ sind die drei weiteren Stücke, die die Company auf dem Schöneberger Südgelände bis September spielt. Insgesamt 70 Veranstaltungen haben sie organisiert: den „Kultursommer im Natur-Park“. Dazu gehören auch Auftritte anderer Künstler, etwa Jazzkonzerte und ein Clownstheater für Kinder.

Langfristig solle es ein richtiges Kulturkonzept für den Park im Süden Schönebergs geben, auch die alte Lokhalle soll miteinbezogen werden, sagt Leonard: „Grün Berlin, die Parkbetreiber, entwickeln sie zum Veranstaltungsort.“ Noch wartet er auf die Genehmigung vom Bauamt, um die Halle für Auftritte, Workshops und als Werkstatt nutzen zu können: „Wir wollen uns hier ein Zuhause aufbauen.“ Auch die Kindergruppe der Company, die „Shakespeare Kids“, soll dort auftreten.

Dass die Halle jetzt noch nicht mit einbezogen werden kann, findet Leonard aber nicht so schlimm. Auch bei Schauern wird draußen gespielt. Das Publikum bekommt dann Regenjacken: „Shakespeares Globe hatte auch kein Dach, er hat die Witterung oft in die Stücke integriert.“

Die nächste Aufführung des „Sturms“ ist am Sonnabend, 19 Uhr im Naturpark Schöneberger Südgelände, S-Bhf. Priesterweg; Tickets für 13,50 Euro bis 18,50 Euro. Informationen zum Programm sind unter www.shakespeare-company.de zu finden.

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