Berlin : Theater im Ku’damm-Karree fürchten den Rauswurf

Immobiliengruppe will den Laden- und Bürokomplex umgestalten, um neue Mieter anzulocken. Das kann für die Bühnenräume das Aus bedeuten

Cay Dobberke

Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm fürchten um ihre Standorte: Ein Konzept für das Kurfürstendamm-Karree, das die beiden traditionsreichen Bühnen umschließt, sieht die Ansiedlung neuer Läden zu Lasten des Theaterbetriebs vor. Anscheinend müsste das Theater am Kurfürstendamm gemäß der Pläne schließen und die Komödie in die zweite Etage umziehen. Beschlossen ist noch nichts, aber Theaterleiter Martin Woelffer und die Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) zeigten sich gestern besorgt. „Der Bezirk steht ohne Wenn und Aber hinter beiden Bühnen“, betonte Thiemen.

Eigentümer des Kurfürstendamm-Karrees ist seit 2003 der Immobilienfonds DB Real Estate, der zur Deutschen-Bank-Gruppe gehört. Laut einem Sprecher ist der Leerstand zu hoch, vor allem seit der Schließung des Elektronikkaufhauses „Makro Markt“. Ein Projektentwickler sei beauftragt worden, Ideen für eine Neugestaltung des Komplexes vorzuschlagen. Nach Tagesspiegel-Informationen handelt es sich um die Firma mfi, die unter anderem das Shoppingcenter „Spandau Arcaden“ betreibt. Ihr Konzept will sie demnach am 14. Dezember dem Eigentümer vorlegen. Derzeit äußert sich keines der Unternehmen zu Einzelheiten. „Die Eigentümer wollten nicht, dass das jetzt schon bekannt wird“, sagt Theaterchef Woelffer. Er führt die von seinem Großvater Hans in den 20er Jahren gegründeten Bühnen seit August 2004 und hält die Lage direkt am Boulevard für unverzichtbar. Der Theaterbetrieb sei erfolgreich, sagt Woelffer: „Die Häuser funktionieren sogar ohne Subventionen.“ Das Problem seien aber die kurzfristigen Mietverträge: „Theoretisch sind wir zum 31. Dezember 2006 kündbar.“

Bürgermeisterin Thiemen bedauert, dass die Bühnen nicht denkmalgeschützt sind; das Landesdenkmalamt habe dies abgelehnt. Wirtschaftsstadtrat Bernhard Skrodzki (FDP) nimmt an, dass vor allem das Theater am Kurfürstendamm einem Ausbau der Ladenflächen im Weg steht. „Die Komödie scheint eher rettbar.“ In einem Brief an die DB Real Estate verlangte der Stadtrat, mindestens eines der Theater zu erhalten. Rechtlich könne der Bezirk wohl leider nicht eingreifen, sagen Skrodzki und Thiemen.

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