Berlin : Theater mit Pechvögeln

Warum die Schaubühne für „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ einen Ersatzbussard beschaffen musste

Stefan Jacobs

Zu Beginn ein Rätsel: Wenn das Stück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ heißt und das Theater tierischen Ärger mit der Naturschutzbehörde hat, dann geht es wahrscheinlich um … – na? Richtig, es geht um die beiden Krähen, die bei den Proben gemütlich auf einem toten Baum in einer riesigen Voliere saßen und Bestandteil des Bühnenbildes waren. Sie hockten stets eng beieinander; wenn die eine weiterhumpelte, humpelte die andere hinterher. Nach Überzeugung des Bühnenbildners Jan Pappelbaum waren die beiden das einzig glückliche Paar auf der Bühne. Bis sie kurz vor der Premiere beschlagnahmt wurden.

So kommt es, dass die Theaterbesucher der Schaubühne am Lehniner Platz in Charlottenburg seit Dienstagabend statt der beiden Krähen einen amerikanischen Wüstenbussard auf dem Bühnenbaum sitzen sehen. Der sagt zwar nicht von Zeit zu Zeit „Krrah!“, wie es sich der Bühnenbildner eigentlich gewünscht hatte. Dafür sind seine Papiere in Ordnung. Im Gegensatz zu denen der unzertrennlichen Humpelkrähen. Die beiden Pechvögel stammten nämlich von einem Spandauer Privatmann, der sie nach eigenem Bekunden vor Jahren halb tot und flugunfähig von der Straße aufgelesen hatte. Nur hätte er sie laut den Natur- und Artenschutzbestimmungen weder privat halten noch zum Zwecke der Zurschaustellung an die Schaubühne verleihen dürfen.

Es kursieren nun zwei Versionen, wie die Naturschutzbehörde von Charlottenburg-Wilmersdorf davon erfuhr. Nach der einen hat sich die Schaubühne angesichts der fehlenden Papiere selbst beim Bezirksamt gemeldet. Die andere Version ist spannender, denn es kommen eine heimlich erstattete Anzeige aus dem „persönlichen Umfeld“ eines Beteiligten und eine rachsüchtige Exfrau darin vor. So oder so: Die Konsequenz war jedenfalls, dass bei einer Bühnenprobe Beamte der Unteren Naturschutzbehörde zuschauten und die gebotenen Maßnahmen einleiteten. Die Vögel wurden mit Auftrittsverbot und Stubenarrest belegt, ihre Karriere scheint beendet. Durch die Kulissen der Schaubühne eilt sogar das Gerücht , dass sie – weil flug- und jagdunfähig – aus humanitären Gründen eingeschläfert werden sollen.

Nicht doch, versichert die Bezirksstadträtin Martina Schmiedhofer: Der Besitzer müsse binnen vier Wochen die Genehmigungen vorlegen, was ihm nach Stand der Dinge allerdings kaum möglich sein werde. Also würden die Krähen wohl amtlich eingezogen und in eine Gnadenbrotstation gebracht. Die Kollegen am Heimatort der Tiere in Spandau seien bereits informiert. Die Stadträtin bestätigt, dass mit dem schon film- und fernseherfahrenen Ersatzbussard alles in Ordnung sei. Und die Krähen erwartet ein ruhiger, staatlich finanzierter Lebensabend.

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