• Theater und Oper sind in Berlin im Durchschnitt günstiger als etwa in New York - doch das könnte sich bald ändern

Berlin : Theater und Oper sind in Berlin im Durchschnitt günstiger als etwa in New York - doch das könnte sich bald ändern

Tobias Arbinger

Weil das Land Berlin für die Kultur nicht genug Geld hat, werden vielleicht bald die Eintrittspreise für Theater, Oper oder Philharmonie nach oben geschraubt. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen jedenfalls zieht Preiserhöhungen ausdrücklich in Erwägung. Bei Weltklasse-Bühnen wie der Deutschen Staatsoper oder bei Vorstellungen, die ununterbrochen ausverkauft sind, könne man mehr Eintritt verlangen, heißt es bei der CDU. In Metropolen wie London oder New York müssen die Zuschauer für Spitzenkultur jedenfalls deutlich mehr zahlen als an der Spree.

Die New Yorker Metropolitan Oper verlangt Eintrittspreise zwischen 51 und 561 Mark. In Berlin ist der Eintritt dagegen vergleichsweise günstig: 10 bis 200 Mark kosten die Karten in der Staatsoper, 17 bis 200 Mark an der Deutschen Oper. Ein Ticket für das Londoner Covent Garden Theater kostet zwischen 49 und 104 Mark. Für 16 bis 56 Mark sind Tickets an der Schaubühne am Lehniner Platz zu haben. Bei einem Vergleich mit anderen deutschen Bühnen ist das Theater in Berlin nicht billiger: An der Oper von Frankfurt (Main) kosten die teuersten Karten 135 Mark, im Frankfurter Schauspiel 59 Mark.

Die Eintrittspreise seien nur ein Thema einer grundsätzlichen Debatte, die angesichts des Finanzdebakels in der Berliner Kultur geführt werden müsse, sagt der CDU-Mann Heiner Kausch, der für seine Abgeordnetenhausfraktion für die Theater zuständig ist. In der Diskussion müsse "alles auf den Prüfstand": Künstlerisches Profil, Rechtsformen, Privatisierung von Bühnen. Es sei auch zu prüfen, ob an einzelnen Stellen mehr Geld verlangt werden könne. "Dort, wo Spitzenleistungen geboten werden, dürfen auch Spitzenpreise genommen werden", sagt Kausch. Und: "Wenn eine Bühne permanent ausverkauft ist, ist das ein Indiz für eine gute Leistung". Da solle man "überlegen, ob eine Preisanpassung möglich ist". Seinem Eindruck zufolge ist das Berliner Preisniveau "nicht übertrieben hoch".

Alice Ströver von den Grünen sagt, sie könne einzelne Preiserhöhungen bei Sonderveranstaltungen wie Festivals oder Premieren "nachvollziehen". Der normale Theaterbesucher "muss nicht in eine Premiere gehen". Kernforderung der Grünen sei aber, dass für Einkommensschwache immer ein Teil der Karten günstig angeboten werde. Erfahrungsgemäß hätten teurere Theaterkarten zur Folge, "dass die ersten Reihen frei" blieben. Für die Schauspieler eine unangenehme Entwicklung, sagt Ströver. In die gleiche Kerbe schlägt der frühere Kultursenator, Ulrich Roloff-Momin. Es sei bekannt, dass höhere Preise nur dazu führten, dass weniger Menschen ins Theater gehen oder billigere Tickets kaufen, sagte er der Nachrichtenagentur ddp.

Die deutschen Bühnen sind hoch subventioniert. Über 435 Millionen Mark gab das Land Berlin vergangenes Jahr für die Staats- und die öffentlich geförderten Privattheater aus. Über 26 Millionen beispielsweise für die Volksbühne, 17 Millionen für das Maxim Gorki Theater, über 83 Millionen allein für die Deutsche Staatsoper. Bei der Oper ist die staatliche Subvention pro Karte nach Angaben des CDU-Abgeordneten Kausch auch am höchsten: Drei von vier Mark, die jedes Opernhaus "einspielt", komme aus dem Landeshaushalt, schätzt er.

Diepgens Vorschlag, die Theater- und Opernpreise anzuheben - Schritt für Schritt und je nach Bühne verschieden - wäre aber nicht ohne die Theatermanager zu machen. 1995 wurde versucht, die wirtschaftliche Eigenständigkeit der staatlichen Berliner Bühnen zu stärken. Seitdem gestalten sie ihre Eintrittspreise eigenständig. Bis dahin mussten Vorschläge noch von der Kultur- und der Finanzverwaltung genehmigt werden. Seit 1995, so heißt es in der Kulturverwaltung "haben sich die Preise dynamisiert". Jedes Theater entscheide selbst, ob es in der kommenden Spielzeit mehr verlange. Festgeschrieben ist laut Kulturverwaltung nur, dass die geförderten Bühnen auch ermäßigte Preise zum Beispiel für Schüler, Studenten oder Rentner anbieten müssen.

Die Eigenständigkeit der Bühnen will CDU-Bühnenfachmann Kausch auch gar nicht einschränken. Sie sollte den neuen Kultursenator aber nicht hindern, auch über Eintrittspreise zu diskutieren.

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