Theater : Zukunft der Kudamm-Bühnen gesichert

Die Kudamm-Bühnen werden abgerissen, aber ein irischer Investor baut ein neues Theater am gleichen Standort. Bis dahin wird eine Ausweichspielstätte gesucht.

Torsten Hilscher[ddp]
Kudammbühnen
Vater und Sohn. Direktor Martin Woelffer (rechts) und sein Vater Jürgen Woelffer vor der traditionsreichen "Komödie am...Foto: dpa

Berlin Der von Schließung bedrohte Theaterstandort im Kudamm-Karree in Charlottenburg ist langfristig gesichert. Aus den bisherigen Bühnen "Komödie" und "Theater am Kurfürstendamm" soll ein neues "Misch-Theater" entstehen, sagte Direktor Martin Woelffer am Mittwoch. Das neue Theater soll eine Kapazität von 650 Sitzplätzen haben.

Auf diese Lösung habe sich Woelffer mit der irischen Ballymore Group verständigt. Der Immobilienentwickler hatte das Kudamm-Karree im vergangenen Jahr gekauft und will den Komplex umfassend umbauen. Zu Wochenanfang gab es laut Ballymore-Vorstand Paul Keogh erste Gespräche mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Allerdings würden noch keine Baupläne vorliegen. Baubeginn für das neue Kudamm-Karree könnte Keogh zufolge 2010 sein, die Bauzeit wird mit zwei Jahren veranschlagt.

Investor mit ernsten Absichten

Martin Woelffer betonte, noch bestehe zwischen Ballymore und dem Theater kein Vertrag, sondern nur eine Verabredung. Hinsichtlich dieser sei er jedoch zuversichtlich. "Ballymore ist der erste Investor in den letzten Jahren, bei dem wir das Gefühl haben, die meinen es wirklich ernst", sagte Woelffer. Die Vereinbarung gebe ihm Spielplansicherheit bis Mitte 2010, es folge eine dreijährige Schließungsphase. Bislang redeten beide Parteien über einen 20-jährigen Mietvertrag für den Anschluss.

Woelffer und sein Vater Jürgen als Mitgesellschafter sähen nun eine "echte Chance". Dem Berliner Senat warf Martin Woelffer ungenügende Unterstützung vor. Die beiden Bühnen waren seit Jahren vom Aus bedroht. Vor diesem Hintergrund sei es "eigentlich ein Skandal", dass sich Berlin nicht um das Theater bemüht habe, kritisierte Woelffer weiter. Er kündigte für die Zukunft wieder Bewerbungen um Subventionen an. Bislang musste das Haus ohne öffentliche Zuschüsse wirtschaften.

CDU: Abriss ist "ein schwerer Verlust"

Für die Kulturverwaltung entgegnete deren Sprecher Torsten Wöhlert, es sei sehr wohl etwas für die Bühnen getan worden. Ohne die vermittelnde Unterstützung des Senats in den vergangenen zwei bis drei Jahren sei der Stand kaum wie heute. Auf jeden Fall werde der Senat die Woelffers bei der Suche für eine Ausweichspielstätte zur Überbrückung der dreijährigen Schließzeit unterstützen. Für künftige Subventionen verwies der Sprecher auf die gängigen Förderprogramme.

Grünen-Kulturexpertin Alice Ströver begrüßte, dass die Theaterbetreiber nun eine Perspektive hätten. Gleichwohl sei die künftige Mischung aus Komödie und Theater "bitter". Immerhin gehe damit der Abriss der Theateranlage von Oskar Kaufmann einher. Die Hilfe des Senats bei der Suche nach einem Ausweichspielort sei das Mindeste. Die CDU-Fraktion nannte den geplanten Abriss der beiden alten Kudamm-Bühnen "einen schweren Verlust".

Standort Kurfürstendamm ist sicher

Auf jeden Fall werde sich das neue Theater am Standort Kurfürstendamm befinden, was auch für Eingang und Kassenhalle gelte. Wo genau dort, ist laut Jürgen Wölffer aber noch unklar.

Das "Kurfürstendamm-Theater" wurde 1921/22 von dem Architekten Oskar Kaufmann entworfen. Es hatte in den Folgejahren verschiedene Direktoren, darunter ab 1928 den Schauspieler, Regisseur und Intendanten Max Reinhardt (1873-1943), der sich bereits 1924 ebenfalls von Oskar Kaufmann auf dem Areal die Komödie bauen ließ. Nach dem Krieg wurde die Bühne von Hans Wölffer übernommen und später 40 Jahre lang durch seinen Sohn Jürgen fortgeführt, der die Leitung 2004 an Martin Woelffer weitergab. Jürgen Woelffer führt derzeit die Komödien Dresden und Hamburg.

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