Berlin : Theatertreffen: "Was ihr wollt" - das war nicht wörtlich gemeint

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Zum Programm des Theatertreffens gehört, inszeniert von Christoph Marthaler, Shakespeares "Was ihr wollt". Der Titel ist nicht wörtlich zu nehmen: Der Frust enttäuschter Theaterenthusiasten, die keine Karten mehr bekommen haben, ist beim Bühnenfest zwar Tradition, scheint diesmal aber, hört man sich in ihren Kreisen um, noch tiefer zu sein als gewohnt. Während man bei den Festspielen offiziell nur gewohnten Andrang registriert, berichten langjährige Besucher von einer zuvor nie dagewesenen Eile, mit der die Karten verschwanden.

Wie berichtet, hatte der Vorverkauf am letzten Sonnabend begonnen. Ab sechs Uhr wurden vor dem zentralen Vorverkauf an der Freien Volksbühne nach Warteliste Nummern vergeben. Ein Theaterfreund, der seit drei Uhr nachts angestanden hatte und mit Nr. 12 belohnt wurde, bekam noch alles, was er wollte. Bei Nr. 31 war Marthaler, mit drei Vorstellungen dabei, schon komplett weg. Ähnlich war es bei Tschechows "Möwe" und Ibsens "Rosmersholm".

Wer versehentlich - und davon gab es etliche - die ehemalige Vorverkaufsstelle der Festspiele in der Budapester Straße aufsuchte und von dort zur neuen Filiale Unter den Linden verwiesen wurde, hatte ganz schlechte Karten. Immerhin war dort die Schlange kürzer, streckte sich dann aber durch Leute, die vor der Zentrale in der Schaperstraße ganz hinten gestanden hatten und sich hier bessere Chancen erhofften. Eine Kartenkäuferin, die gerade noch die "Möwe" ergattern konnte, wusste von vielen verärgerten Wartenden zu berichten, die trotz schriftlicher Vorbestellung leer ausgingen.

Bei den Festspielen weist man darauf hin, dass alle Kartenverkaufsstellen vernetzt seien, die Karten also auch bei vorderen Warteplätzen schon weg sein könnten. Es habe keine verkleinerten Kontingente gegeben, der Ansturm sei Tradition. Zu haben waren gestern noch Karten für "Liliom" (Thalia-Theater Hamburg), "Chroma" (Staatstheater Darmstadt) und einen Soloabend mit Michael Heltau, Titel "Kennen Sie den?"

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