Berlin : "Theatrum naturae et artis": Wunderkammer des Wissens

Rico Czerwinski

Die "Sieben Hügel" sind abgetragen, jetzt ist im Gropiusbau Platz für die nächste Superschau. Vom 10. Dezember an sind hier "spektakuläre und kuriose, geschichtlich bedeutende und visuell bestechende Zeugnisse quer durch alle Bereiche von Wissenschaft und Kunst" zu sehen. Die Exponate kommen aus den über 100 weit verstreuten, verstaubten, fast vergessenen Sammlungen und Archiven der Humboldt-Universität.

Diese beherbergen inklusive aller Schmetterlinge und Ameisen etwa 35 Millionen Objekte, die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Nach dem Willen ihrer Macher wird die Ausstellung "Theatrum naturae et artis" ein "Querschnitt durch diese Wunderkammern des Wissens" sein. Sie soll die Ideen der letzten Jahrhunderte als ein "Theater der Natur und Kunst" präsentieren

Ausgewählt wurden etwa Meteoriten aus der Frühzeit des Sonnensystems und die Rekonstruktion eines riesigen Urwals, antike Skulpturen und die Abschrift eines altfriesischen Liedes durch Jakob Grimm, bizarre Präparate aus dem pathologischen Museum Rudolf Virchows und das Lautarchiv, eine Sammlung von Tondokumenten alter Dialekte und Sprachen, außerdem ein menschlicher Riesenschädel, Berliner Beitrag zur Weltausstellung von 1904. Mehr als 1100 Objekte werden zu sehen sein.

Erwartet den Besucher nun ein Schwindel erregendes Sammelsurium verschiedenster Exponate, so wie in "Sieben Hügel"? Ja, sagten die Veranstalter bei der Projektvorstellung, präsentiert jedoch mit "diametral entgegengesetzten Mitteln".

Sein ästhetisches Konzept, so Horst Bredekamp, Kunsthistoriker und einer der beiden Ausstellungsleiter, sei "radikale Eleganz": Größtmögliche Unmittelbarkeit der Objekte, kein störender Firlefanz, keine aufwendige Inszenierung der Originale. Dieser Purismus soll sich, so Bredekamps Kollege Jochen Brüning, auch finanziell bemerkbar machen. "Weniger als 5 Millionen", gab er angesichts der 30 Millionen für die "Sieben Hügel" sichtlich stolz bekannt.

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