THEKEN Tanz : Bar 39

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Studenten schlurfen vorbei, ein Bier in der Hand. Eine Kopftuchmutter schiebt einen Kinderwagen. Ein Typ startet seinen BMW mit kreischendem Reifenabrieb. Väter und Mütter radeln auch noch kurz vor Mitternacht mit dem dösenden Nachwuchs im Kindersitz vorbei. Türkische Senioren schreiten gemächlich ihren Kiez ab. Ein Polizeitransporter rast mit Blaulicht heran und verschwindet im Gewühl. Ein Schwarzer mit Hut befeuchtet mit einer Blumenspritze ein paar Hängepflanzen an einer Hofeinfahrt und spritzt lachend Gäste an, die vor einer Bar auf Bierbänken sitzen. Wo sind wir also?

Das Lokal ist die Bar 39, der huttragende Schwarze gehört zum Personal und der drinking man, die compañera und die junior compañera sitzen auf den langen Bänken auf dem nördlichen Trottoir der Oranienstraße, nahe dem Oranienplatz. Alles nett hier. Kreuzberg an einem milden Sommerabend mitten in der Woche. Die Bierbanksitzer sehen einen filmartigen Ausschnitt des charmant-strubbeligen street life im Kiez. Die üblichen Klischees gibt es nicht, jedenfalls nicht an diesem Abend. Es fliegen keine Steine, es bettelt kein Junkie, es pöbelt kein Punk, es protzt kein Gentrifizierungsgewinner mit demonstrativem Porsche-Cruising. Hier und jetzt ist Kreuzberg easy. Und immer noch magnetisch mediterran.

Die Bar 39 passt da gut rein. Die Innenarchitektur dominiert ein afrikanisch-altägyptisch anmutender Stilmix mit postmoderner Kitschglasur. Breite Ethnosofas mit vielen Kissen, niedrige Tische aus dunklen Hölzern, grob strukturierte Wände wie in einer Pyramidengruft. In einer Nische steht eine große, golden schimmernde Frauenstatue und hält eine Nachttischlampe. Unter der Decke hängt ein praller Lüsterleuchter. Der Tresen ist klein und eng. Aber im Sommer sitzen sowieso alle draußen, auf den Bänken oder den zwei niedlichen Ledersesseln.

Die freundliche Kellnerin bringt nach und nach einen gigantischen, erdbeerroten Frozen Margarita mit einem Dekor aus geeisten roten Johannisbeeren rund um eine große Mangoscheibe, einen leider etwas zu wenig süßen Mai Tai, einen süßgrandiosen Himmel über Berlin (Campari, Kirschlikör, Maracujasirup, Zuckersirup, Zitronensaft, Bitter Lemon), einen buntleckeren San Francisco (Maracujasirup, Grenadinesirup, Zitronensirup, Orangensaft, Ananassaft), einen klassisch guten Virgin Mojito und einen erst wunderbaren, zuletzt aber etwas wässrigen Lanny’s Fritsch (Orange, Limette, brauner Zucker, Zitronensaft, Grapefruitsaft, Orangensaft, Ananassaft), auf dem drei Stücke Wassermelone, eingewickelt in ein Bananenblatt, thronen. Salud.

Die junior compañera wollte gar nicht mehr weg. Frank Jansen

Bar 39, Oranienstraße 39, Kreuzberg, Tel.: 0177 - 42 09 441, in der Woche von 18 bis 2 Uhr, am Wochenende open end

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