THEKEN Tanz : Fasanen 37

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Als im Mai 2006 Rudolf van der Lak starb, der Grandseigneur der Berliner Barszene, und sein Lokal, die Galerie Bremer, nach einigen Jahren Siechtum dann auch verblich, verlor die Stadt ein Juwel. Die älteste Cocktailbar Berlins, und stets einer ihrer besten, war ein unvergleichliches Artefakt urbaner Trinkkultur, ein Stück spirituoser Stadtgeschichte. Aus, vorbei. Unwiederholbar. Dennoch versucht es einer. Im Februar 2010 eröffnete Udo Walz in den alten Räumen der Galerie ein Lokal namens „Fasanen 37“. Udo Walz, der „Promifriseur“ des Boulevard, hat einen Schritt auf heiligen Boden gewagt. Frevel mit Figaro?

Im Fenster hängt ein großes Poster, darauf prangt sakral Walz’ Gesicht. Auch in der Hinterzimmerbar selbst sind die Erinnerungen an die Galerie Bremer nahezu ausgelöscht. Das alte Interieur, immerhin einst mitgestaltet von Hans Scharoun, ist weg. An der Stelle des legendären Tresens mit dem abgeschabten armrail steht jetzt ein klinisch weißer Korpus in Form eines großen U, drapiert mit übergroßen Champagnerflaschen. Die schwarzen Bänke mit den roten Polstern wurden ersetzt durch eine orange-weiße Sitzecke. Ein alter Kachelofen steht noch da. Er ist beklebt mit Bildern nackter Frauen.

Die compañera meinte ungewohnt mild, auch das Fasanen 37 habe eine Chance verdient. Nun gut. Der drinking man studierte die Karte, staunte über die Interpretation von American Whiskey als „Amarican Whisky“ und der Wandlung des Ginklassikers Tanqueray zu „Tangery“ – und bestellte einen Minzdaiquiri frozen. Der kräftig-joviale Keeper schüttelte den Kopf: „Frozen geht im Moment nicht“. Dann bitte einen Singapore Sling. Der Keeper lächelte: „Geht auch nicht, wir haben keinen Cherry Brandy.“ Der drinking man griff noch mal zur Karte und zeigte auf einen Pineapple Fusion. Der Keeper senkte die Stimme: „Wir haben keine frische Ananas.“

Time to go. Aber die compañera war durstig. Und es gab dann doch einen Mai Tai, der mit gestoßenem Eis und etwas kälter eine gute Note bekommen hätte, einen passablen Planter’s Punch, einen ebenfalls trinkbaren Hemingway Sour und den alkoholfreien Drink Blackberry Passion, der unauffällig mitschwamm. Und dann kam Udo Walz herein. Der drinking man erlebte ihn, wegen eines dringenden Bedürfnisses, nicht, aber die compañera. Walz drückte ihr, wiewohl unbekannt, gnädig die Hand: „Guten Abend, ich bin der Chef.“ Die compañera lächelte matt. Walz hob den Kopf und ging weiter.

Ach, Rudolf van der Lak. Kannst du keine Blitze schleudern? Frank Jansen

Fasanen 37, Fasanenstraße 37 in Wilmersdorf, Tel.: 88 92 92 03, dienstags bis sonnabends, 19 bis 1 Uhr, Raucherlokal

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