THEKEN Tanz : Lebensstern

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Ab und zu muss man sich bei all der Testerei mal in eine bessere Bar zurückziehen. Um die Maßstäbe des elegant drinking wieder zu schärfen – und um frei von jeder Sorge um mindere Qualität ein paar Cocktails zu genießen. Die inzwischen neun Jahre alte Victoria Bar kommt da als erste Adresse infrage, doch waren drinking man und compañera ein wenig weiter westlich unterwegs und landeten im Lebensstern. Das Lokal über dem Café Einstein in der Kurfürstenstraße, im einstigen Herrenzimmer der Stummfilmdiva Henny Porten, hat einen exzellenten Ruf. Vor drei Jahren, kurz nach der Eröffnung, war das drinking couple sehr angetan. Gestört hatte nur die arg schummrige Beleuchtung. War diesmal eine höhere Luxzahl zu erwarten?

Klare Antwort: nein. Der Lebensstern funzelt hartnäckig weiter, vor allem im ersten Raum mit dem Tresen und dem Henny-Porten-Bild und den hochsitzartigen Polsterbänken. Im zweiten Zimmer ist ein wenig mehr zu erkennen und es fällt auf, dass die Jukebox, die vor drei Jahren strahlte (und die Luxzahl angenehm erhöhte), weg ist. Andererseits prunken in mehreren Schränken mit Glastüren und auch in weiteren Räumen reihenweise Flaschen edler Rum- und Ginsorten. Das beeindruckt. So wie die Spirituosenkarte, die beinahe unzählige Alkoholika auflistet. Die freundlichforsche Kellnerin teilte auch gleich mit, der Lebensstern verfüge über 650 Rum- und 250 Ginsorten (wenn sich der drinking man nicht verhört hat). Jedenfalls kann hier der Genuss eines Cocktails nicht am Mangel nobler Ingredienzen scheitern.

Die Karte mit den Drinks ist eher schmal. Es finden sich kaum Klassiker, da die Crew voraussetzt, das Publikum traue ihr alles zu und werde mit blindem Vertrauen auch einen Cocktail ordern, der nicht verzeichnet ist. Drinking man und compañera hielten sich aber zunächst an die Karte, denn sie hat auch ihren Reiz. So brachte die forschfreundliche Kellnerin ein Schneeflöckchen (Lebensstern Gin, St. Germain Holunderblütenlikör, frische Zitrone, Champagner Pierre Gimonnet), das grandios schmeckte, sowie einen Ginger Daiquiri, der ebenfalls Höchstnoten verdient. Abgerundet wurde der Genuss, jetzt wieder per Karte, mit einem Stadlwat (Gilbey’s Gin, Merlet Crème de Cassis, frische Limette und eine kleine Flasche Soda) im geeisten Glas und schlicht superb. „Stadlwat“ soll übrigens aus den Namen zweier Lebensstern-Keeper gedrechselt worden sein.

Wieder alles wunderbar (auch wenn hier weiterhin geraucht werden darf). Außerdem wurde reichlich Wasser nachgeschenkt, auch das zeichnet eine bessere Bar aus. Aber, bitte, wie wäre es mit ein wenig mehr Licht? Frank Jansen

Lebensstern, Kurfürstenstraße 58, Tiergarten, täglich ab 19 Uhr, Tel.: 263 91 922

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