THEKEN Tanz : Maxx

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Von Gemüse zu schwärmen, wenn es um Cocktails geht, wirkt abseitig oder bieder. Drinks mit Gurke oder Tomate mögen Ökofreaks zum Alkohol bekehren und Hausfrauen verzücken, genießbar sind sie kaum. Entsprechend reserviert reagierte der drinking man, als die Maxx Bar im Cinemaxx am Potsdamer Platz einen Spargel-Cocktail ankündigte und reichlich Propagandafloskeln abfeuerte. Als „wirklich nahrhaftes und leckeres sowie vielseitiges Gemüse“ wurde der Spargel gepriesen, der kalorienarm sei und „viel gesundes Kalium, Calcium, Magnesium und sogar Vitamine“ enthalte. Die Ernennung zum „Edelgemüse“ war unvermeidlich. Dass Spargelpipi streng riecht, wurde natürlich verschwiegen. Und seit wann achtet ein Cocktail-Connaisseur darauf, ob er gesund trinkt und kalorienarm? Ein guter Drink zeichnet sich durch frisches Eis, gekonnte Komposition und elegantes Aroma aus, alles andere ist Kompost. Doch die compañera drängelte. Sie ist Spargel-Fan, „und Ende Juni ist die Saison wieder vorbei“.

Das Maxx selbst hat sich seit dem ersten Besuch des drinking couple vor fast zwölf Jahren kaum verändert. Ein nettes Bar-Bistro-Ambiente, freundliches Personal und immer wieder spezielle Angebote, die sich, abgesehen vom Spargel-Cocktail, an aktuellen Filmhits orientieren. Verstohlen blickte der drinking man auf die Tische der Umgebung, ob irgendwo das Stangengemüse aus einer Schale rage, war aber nix. „Der wird nicht so oft bestellt“, erklärte nett lächelnd die Kellnerin. Und taktvoll vermied sie jede Süffisanz, als sie die Order entgegennahm, bitte einen „Asparago“ zu bringen. Sogar mit Stolz in der Stimme antwortete sie auf die Frage, ob der Drink mit Beelitzer Spargel bestückt werde: „Natürlich.“ Sie brachte eine Schale, an deren Rand eine Spargelspitze steckte und verriet, was in diesem Asparago schwamm: Ein wenig Spargelwasser, dazu Skyy Wodka, Holundersirup, Mojito-Minzsirup, Rhabarbersirup, Zitrone und Orangen-Rhabarber-Espuma, also Orangen-Rhabarber-Schaum. Beim ersten Schluck war der Spargelgeschmack etwas scharf, aber nicht so dominant wie erwartet. Als der drinking man die Spargelspitze vertilgt und zwei weitere Schlucke genommen hatte, war das Spargelaroma fast weg. Übrig blieb ein fruchtschaumiger Cocktail, der kaum auffiel.

Die anderen Drinks rundeten das Abenteuer passabel ab. Der Mojito (leider nicht mit gestoßenem Eis), der Blaubeer-Rhabarber-Daiquiri, der Traumcup (Himbeersirup, Johannisbeersaft, Kirschsaft, Kokossirup, Joghurt, Erdbeerpuree) – der Abend war nett und glücklicherweise nur semigesund verplätschert. Frank Jansen

Maxx, Potsdamer Straße 5, Tiergarten, Tel.: 28 59 90 46, täglich von 12 bis 24 Uhr

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