THEKEN Tanz : Sky.Bar

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Berlin ist mit Hochhäusern kaum gesegnet, das kann man gut finden (als Liebhaber einer gemütlichen Traufhöhe) oder ziemlich öde (als Fan New Yorker Rooftop-Partys). Auch die Szene der Bars in Himmelsnähe, cloudy and crowdy, soll in Schanghai deutlich größer sein. Damit aber Berlin nicht gänzlich auf elegant drinking in dünner Luft verzichtet oder sich wahlweise mit den beiden blassen Hochbauten am Alexanderplatz begnügt, präsentiert das zu einer österreichischen Kette zählende Andel’s Hotel eine „Sky.Bar“ – am Rande von, Sie lesen richtig: Fennpfuhl. Das ist kein Brandenburger Drei-Höfe-Kaff, sondern ein Viertel an der Schnittstelle zwischen Friedrichshain und Lichtenberg. Oh Gott, wird mancher Leser denken, so weit draußen und gleich bei den Plattenbauten, da will man ja nicht mal aus dem U-Bahn-Schacht raus, geschweige denn hoch hinaus. Das ist nicht ganz unverständlich, aber doch ignorant.

Der wuchtig-nüchterne Betonturm des Vier-Sterne-Hotels ist Teil der Landsberger Arkaden, die einst als verlassener Rohbau im Flakbunker-Stil vor sich hin rotteten, dann aber doch belebt werden konnten. Das äußere Antlitz des Andel’s und die große, ziemlich leer wirkende Eingangshalle wecken Zweifel, ob hier mehr zu erwarten ist als eine zugiges Lokal irgendwo weit oben. Doch drinking man und compañera wurden angenehm überrascht. Im 14. Stock gibt der Aufzug den Weg frei in eine Bar mit modernem Design und toller Aussicht. In feuerroten, drehbaren Clubsesseln sitzen Gäste und betrachten, mit dem Cocktailglas in der Hand, das Panorama. Der Fernsehturm am Alex, die Zwillingskuppeln am Frankfurter Tor, weit hinten der Steglitzer Kreisel, Flugzeuge beim Anflug auf Tegel – sehr schön. Der Blick in Richtung Osten prallt auf Plattenbaugebirge, die nach Ansicht der compañera von der Sky.Bar aus auch ihren Reiz haben. Kann man so sehen.

In der Trinkstätte dominiert der strenge, pechschwarze Tresen mit knapp zehn Hockern. Die Servierdamen sind flinkfreundlich und brachten angenehme Drinks. Es kamen ein Gimlet (shaked), der einen Tick süßer war als nötig, ein Pflaumen-Minz-Daiquiri (frozen), der aussah wie Erbspüree, aber schmeckte, ein fruchtiger Black Forest Sour (Rum, Martini Rosso, Sauerkirschlikör, Zitronensaft, Brombeeren, Himbeeren) und ein Pretty in Pink (Pflaumen, Minze, Ron Varadero 3 Jahre, Rhabarber Sour, Limettensaft), der nicht pink war, sondern gelb – und gut.

Sie ist schon ganz schön weit oben, die Sky.Bar. Frank Jansen

Sky.Bar im Andel’s Hotel, Landsberger Allee 106 in Lichtenberg, Tel.: 453 053 2614, geöffnet täglich von 18 bis 2 Uhr

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