THEKEN Tanz : Windhorst

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Es gibt wohl nur wenige Bars in Berlin, die von sich behaupten können, einst habe die Weltgeschichte sie gestreift. Das Windhorst in der Dorotheenstraße wurde, auch wenn das makaber klingt, einst ein wenig von Al Qaida belästigt, zumindest mittelbar. Denn nach den Anschlägen von 9/11 litt die Bar unter der Nachbarschaft zur terrorgefährdeten US-Botschaft, die damals in der Neustädtischen Kirchstraße residierte, Backe an Backe mit dem Lokal um die Ecke, das in die Hochsicherheitszone einbezogen wurde. Das Leiden erhöhte allerdings ungemein den Glamourfaktor.

Noch heute wird in der drinking crowd gern erzählt, wie das damals war, als man sich in einem Blechcontainer der Polizei kontrollieren und abtasten lassen musste, um ins Windhorst zu gelangen. Die bestgeschützte Bar der Bundesrepublik, lautete die unfreiwillige Werbung für das Lokal, die zudem nicht einmal stimmte. Trotz der Polizeipräsenz und der Sperrgitter und Betonpoller nahebei wurde im Windhorst eingebrochen. Die Weltgeschichte kann ganz schön nerven.

Das ist alles lange her, die Polizeikontrollen wurden bereits im August 2002 wieder eingestellt, und im Frühjahr 2008 entschwand die US-Botschaft in Richtung Brandenburger Tor. Das Windhorst hingegen hat sich kaum geändert. Klein und halbdunkel (und weiterhin eingeräuchert) bleibt die Bar ein Highlight der Berliner Cocktailszene, wie drinking man und compañera kürzlich ausgiebig recherchieren konnten. Übrigens steht auch der lange Apothekenschrank noch hinter dem Tresen, ein idealer Platz für Gläser und Flaschen.

Die junge asiatische Kellnerin, die elegant durchs Publikum glitt, brachte zunächst einen köstlichen Tai Tini (Tanqueray Gin, Maraschino, Chartreuse, Zitrone & Zucker, Koriander) und einen Bramble (Tanqueray Gin, Brombeerlikör Crème de Mûres, Limette, Zucker), der seit einiger Zeit als Kultcocktail gilt und wirklich superb schmeckt, wenn er komponiert wird wie im Windhorst. Es folgten ein Arun (thailändisch für Morgenröte; Ingwer, Cranberry, Vanille, Sirup, Maracuja, Orange-Ingwer-Limonade), der sanft erfrischte, und ein Cranberry Cooler (Cranberry, Apfel, Limette, Kokos, Grenadine). Gleichzeitig starrten von einem Wandgemälde zwei Schafe auf die Gäste, eines der Tiere sogar grinsend. Als wollte es blöken: Seht her, das Windhorst lacht über Terror, Poller und Gitter und lebt fröhlich weiter. Was drinking man und compañera und vermutlich viele weitere aficionadas y aficionados del cóctel auch inständig hoffen. Frank Jansen

Windhorst, Dorotheenstraße 65 in Mitte, geöffnet montags bis freitags ab 18 Uhr, sonnabends ab 21 Uhr, Tel.: 45 00 70

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