Berlin : Thekentanz: After-Work-Partys in der Goldmine in Mitte

Matthias Oloew

So richtig durchgesetzt haben sich die After-Work-Partys in Berlin nicht. Wohin soll der geneigte Berufstätige, wenn er unter der Woche das Tanzbein schwingen möchte? Zum Beispiel ins Goldmine in Mitte, zum Beispiel donnerstags, wenn der Abend unter dem Titel "Chantals House of Shame" steht.

In der Bar mit ihrem 70er-Jahre Ambiente fühlt sich jeder Gast wohl. Die Musik plätschert in angenehmer Lautstärke, an der Bar ist genügend Platz, auch in den Polstern links vom Eingang ist noch was frei. Geöffnet ist ab zehn, aber auch kurz vor Mitternacht ist der Laden noch immer fast leer. Erst um kurz vor eins füllen sich die Reihen, und es bestätigt sich wieder einmal, dass Tanzen in Berlin nicht vor Mitternacht zu haben ist.

Mann kennt sich im Goldmine. Donnerstags ist der Tag für die Herren der Schöpfung und ihre besten Freundinnen. Grüppchenweise stehen sie zusammen, die Mittzwanziger und Dreißiger, in schicken oder weniger schicken Club-Klamotten. Sie plaudern zusammen und alle plaudern mit Chantal, der blonden Bardame, die rechts Bussis verteilt, links Freunde umherzt und die sechs Meter hinterm Tresen zurücklegt, ohne einen einzigen Drink auszuschenken. Mann trinkt Heineken oder Caipirinhas, nichts Auffälliges also.

Das ändert sich ab halb zwei. Da stürmt nämlich ZDF-Klatschtante Ralph Morgenstern und der Schauspieler Georg Uecker das Goldmine mit allerlei Bekannten im Schlepptau. Auch sie sind Freunde von Chantal. Da kann sich beim Neuankömmling schon mal das Gefühl breit machen, in eine private Geburtstagfete geplatzt zu sein. Der Eindruck legt sich erst mit Beginn der Performance eine Etage tiefer. Dort unten ist die kleine Tanzfläche, die heute abend Super Zandy beschallt. Auftritt der zweiköpfigen Trümmer-Truppe: Sie tanzen und singen zum Vollplayback und das auch noch schlecht. Passend zum Motto des Abends. Chantal legt selbst Hand an den Scheinwerfer. Großer Applaus im mittlerweile dichten Gedränge für die Nummer, die mit einem Schlager voller V- und F-Wörter im Refrain endet. Nach dem Auftritt ist das Eis jedenfalls gebrochen. Der Tanzabend ist eröffnet, die Musik zwischen House und Pop ist angenehm gemischt. Aber mittlerweile ist es kurz vor drei.

Und was braucht der tanzwütige Berufstätige dann? Einen freien Tag danach.

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