Berlin : Thekentanz: BOMA

Frank Jansen

Durstige könnten auch blind durch Mitte laufen. Selbst in einem derart betrüblichen Zustand würde man bei einem kurzen Ruck in Richtung Hauswand automatisch auf eine Trinkstätte prallen. Eigentlich müsste es bald sogar überflüssig sein, beim Bar-Wechsel das zugige Trottoir betreten zu müssen. Angesichts der Lokaldichte könnte mit ein paar Durchbrüchen eine Art cocktail mall geschaffen werden. Kommt bestimmt.

Das BOMA jedenfalls schließt eine der letzten Gastrolücken im Umkreis der Hackeschen Höfe. Da fällt es natürlich schwer, sich mit besonderer Originalität hervorzutun. Die BOMA-Betreiber setzen also auf Kunst, genauer: auf die Spielerei mit Zitaten. In der Lounge links neben dem wenig aufregenden Tresen überdräuen vier große Schautafeln die Gäste. Zu sehen sind Collagen - Mona Lisa mit hochgezwirbeltem Dali-Bärtchen, Kitsch-Papst Jeff Koons im Clinch mit Pornostar Cicciolina und ähnliches. Schließlich heißt das Lokal ja auch in voller Länge "Bar of Modern Art", womit recht kühn eine Symbiose mit dem New Yorker Kunsttempel "Museum of Modern Art" suggeriert wird. Im BOMA dürfen die Gäste außerdem noch raten - was sich hinter den Zetteln mit der Aufschrift "Censored" verbirgt. Der Kellner verdarb aber jede Entdeckerlust mit der lapidaren Bemerkung, "da sind dann kleine Einzelbilder hinter". Ach so.

Der Blick schweifte zu den großen, rot schimmernden Leuchtzacken an den Fenstern, den gelben und roten und orangefarbenen Lichtvasen an der Wand, den roten Polsterbänken - und fixierte dann in der Hoffnung auf etwas Anregendes die Karte. Da gibt es tatsächlich bizarre Drinks, wie den Modesto Malted (Kaffee, Milch, Nutella, Vanille Eis). Die compañera schüttelte sich und orderte einen Flying Kangaroo (Bacardi, Vodka, Galliano, Sahne, Kokosnusscreme), der drinking man griff zum Gin Fizz. Er war geschmacklich in Ordnung, aber nicht kalt genug.

Den Flying Kangaroo kommentierte die compañera mit den Worten "sehr kokossig, haut aber gut rein". Sie wechselte dann zum Greeny (Mandelsirup, Ginger Ale, Orangensaft, Zitronensaft, Blue Curaçao ohne Alkohol). Für einen autofahrerfreundlichen Drink war der apfelgrüne Saftmix erstaunlich ausdrucksstark - und lecker. Etwas flau kam Pancho Villa (Brauner Rum, Cherry Brandy, Apricot Brandy, Ananassaft) daher. In Schieß- und Umsturzlaune geriet der drinking man an diesem Abend nicht.

Das BOMA würde also in einer cocktailmall eher zum kunstdrapierten Durchlauftunnel taugen. Angesichts der Liaison, in der sich das BOMA mit den Schöneberger Institutionen N.N. Bar und N.N. Train befindet, wäre vielleicht doch eine Sechs-Drinks-und-wir-bleiben-noch-Lokalität zu erwarten gewesen.

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