Berlin : Thekentanz: Label 205

Matthias Oloew

Die Konkurrenz wird größer. After-Work-Partys sind längst keine Insider-Veranstaltungen mehr, es gibt sie fast überall. Da müssen sich die Partymacher schon etwas einfallen lassen, damit die Bude voll wird. Die Betreiber der Bar im Keller des Quartiers 205 locken vor allem mit dem Preis für eine Caipirinha: Fünf Mark kosten diese Getränke an diesem Abend pro Stück.

Die Gäste kommen in Scharen, die Thekenmannschaft mixt die Getränke in Akkordarbeit den ganzen Abend. Allein: Die Bude ist trotzdem nicht richtig voll, Partyatmosphäre kommt da nicht auf. Der Keller des Quartiers 205 ist nämlich eine Nummer zu groß und erschwerend kommt hinzu, dass der Blick nach oben frei ist: rundherum dunkle Ladenfassaden. Schick, blankgewienert, aber leblos.

Da kann sich der DJ noch so viel Mühe geben, seine Musik verhallt in den Weiten der Ladenpassage. Niemand tanzt. Das Publikum jedoch scheint sich daran nicht zu stören. Junge Frauen mit dezenten aber teuren Tops räkeln sich in den aufblasbaren Plastik-Sofas. Die Männer sind durchgehend mit Handys bewaffnet, die Haare haben sie zurückgegelt. Man unterhält sich angeregt, lacht, telefoniert, flirtet und bestellt zusammen eine neue Runde Caipirinha.

Gegen ein entspanntes After-Work-Clubbing dieser Art ist per se ja nichts einzuwenden, aber dann doch bitte in einem anderen Ambiente. Da können die Drinks noch so billig sein. Wer etwas mehr erwartet als nur eine billige Caipirinha ist in anderen Clubs zum Trinken und Tanzen nach der Arbeit eindeutig besser aufgehoben. Die Konkurrenz kann sich beruhigt zurücklehnen.

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