Berlin : Thekentanz: Neues für den drinking man und compañera

Roberta[Tel.: 44],Zionskirchstraße 7[Tel.: 44],Mitte[Tel.: 44]

Hallenbars, Kellerbars, Schlauchbars, Schachtelbars und Eckkneipen - alles in Berlin vorhanden, teilweise sogar mehr als reichlich. Der drinking man vermisst hingegen die nette Cocktailbar um die Ecke, mit dezentem Wohnzimmercharakter und natürlich exzellenten Getränken. Zu nennen wäre da allenfalls die Jansen-Bar in Schöneberg, vielleicht auch die Galerie Bremer in Wilmersdorf, der einst Stararchitekt Hans Sharoun ein nettes Trink-und-Kuschel-Interieur bescherte.

Doch nun geschah es, dass im Umfeld des drinking man von einem Lokal in Mitte die Rede war, welches sich abseits der üblichen Trinkrouten befinden solle und herzallerliebst elegant drinking mit unaufdringlicher neighbourhood-Atmosphäre kombiniere. Also hin.

Rings um die Zionskirche sind inzwischen wohl alle Altbau-Mietskasernen saniert. Der einstige Bröckelcharme ist der leicht sterilen Modernität bunt-sauberer Fassaden gewichen. Zum Glück blieb den Straßen das Kopfsteinpflaster erhalten. Außerdem bewahren die jugendlich feschen Lokale in diesem Karree hinreichend Lebendigkeit. Selbst vor dem Roberta fanden sich Biergartenbänke und -tische, obwohl diese Bar schon von außen nicht unbedingt wie eine Schunkelschwemme anmutet.

Das große Fenster mit den Milchglaswellen war hochgeschoben und gab den Blick auf eine pittoreske Melange zwischen Fünfzigern und Sechzigern frei. Drinking man und compañera erklommen die Stufen ins Innere und setzten sich an eines der hohen Post-Nierentisch-Gestelle. Diese waren mit gewässerten Afri-Cola-Fläschchen garniert, aus denen Blümchen lugten. Hübsch. Ein Diaprojektor strahlte die Mikroskop-Aufnahme einer großen, grünlichen Milbe an die Wand hinter drinking man und compañera. Der bunt zusammengewerkelte Tresen mit dem lindgrünen Tresenregal und die Zwei-Plattenapparate-DJ-Station sind vermutlich auch als Fingerzeige zu verstehen: Hier wird ein eigenwilliger Stil präsentiert, eine harmonische Mischung aus Eleganz, Nostalgie und Ironie.

Dazu passen die an den Wänden prangenden Plastikleuchten, welche an aufgestellte, in der Mitte zusammengeschnürte Kornbündel erinnern. Unterhalb der Decke ziehen sich an den Wänden große, silbrige Lüftungsrohre entlang. Über der Treppe zu einem winzigen Stehraum und den sanitären Anlagen hängt ein Gemälde mit der Aufschrift "Roberta Firenze" - und das ist laut Keeper weder ein Hinweis auf Florentiner Wurzeln noch sonstwie von Bedeutung. Maliziöses Spielchen, das die Crew da treibt mit der Fantasie der drinking crowd.

Die Getränkeauswahl entspricht indes dem bescheidenen Volumen des Raumes. Eine Handvoll Cocktails wird in der Karte offeriert, jedoch garniert mit dem Hinweis, es würden auch weitere Wünsche erfüllt. Der drinking man nahm einen Florida Sling (Gin, Cherry Brandy, Ananas) zu sich, die compañera den obligatorischen Mai Tai - und beide Getränke waren passabel, wenngleich je ein Schub gestoßenes Eis zu noch mehr Frische verholfen hätte. Dies war dann beim Pinerito (Weißer Rum, Grapefruit, Limette) der Fall, womit dieser sofort zum feuchten Favoriten des Abends avancierte.

Danke, Roberta. Dich hätten wir gerne in Laufnähe zu unserer Redaktion. FRANK JANSEN

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