Berlin : Thekentanz: "Pfefferbank" in Mitte

Matthias Oloew

Ja, es gibt sie noch, die Refugien des Nachtlebens, die an die frühen 90er erinnern. Als die Clubs schneller wechselten als das Kinoprogramm und das Ausgehen jedes Wochenende mit einer kleinen Entdeckung verbunden war. Hier die Gruft, in der die Musik vom Dual-Plattenspieler aus den 70ern kam. Dort der Keller, der mit Techno ohne viel Technik reüssierte. Die Pfefferbank mit ihrem Charme erinnert noch an diese Zeit, als Improvisation und Fantasie das Nachtleben bestimmten. Und nicht die Cocktails-schlürfenden Fashion-Victims.

Aber halt: Die Pfefferbank ist nun auch kein Refugium für Leute, die gegen den Trend schwimmen. Vielmehr gilt auch hier: T-Shirt, möglichst mit Aufdruck, statt Hemd oder Bluse und Cowboyhut statt Käppi. Also, so wie derzeit fast überall. Aber sonst ist alles so, wie man es zuletzt vor zehn Jahren vermutet hätte. Die Anlage zählt nicht zu den besten der Stadt, für eine gute Beschallung reicht es trotzdem. Die Deko ist minimalistisch, und im hinteren Raum, wo noch die Reste der Schließfächer an die einstige Bank erinnern, nippen die Gäste genüsslich an ihrem Bier und sitzen auf knarrenden Stühlen. Unmöglich, in der Enge der Pfefferbank das Objekt der Begierde aus den Augen zu verlieren. Es sei denn, es ist viel zu voll.

Das ist hin und wieder der Fall. Ist ja auch kein Kunststück. Vor allem an jenem Freitag im Monat (meistens der zweite), an dem Super Zandy zu ihrer Party einlädt. House-Musik, Showeinlage, nette Gäste zwischen Mitte zwanzig und vierzig, und eine angenehm unangestrengte Atmosphäre, auch wenn man wegen der Enge mal zwei Minuten länger auf das Bier wartet.

Diesen Charme hat sich die Pfefferbank nicht etwa seit zehn Jahren bewahrt. Der Club ist sogar erst zwei Jahre alt und zählt damit zu den Jüngeren der Stadt. An diesem Wochenende wurde Geburtstag gefeiert. Am gestrigen Sonnabend legten gleich fünf DJs auf. Und dabei wurde es nicht nur hinterm Plattenteller eng.

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