Berlin : Thekentanz: Rabenbar in Kreuzberg

Frank Jansen

Good old Kreuzberg. Schwiemelige Eckkneipen, linke Hauruck-Schänken, türkische Männercafés - da wirken die wenigen Cocktailbars wie Fremdkörper. Jetzt ist wieder einer hinzugekommen, ausgerechnet in einer bislang überaus fremdkörperresistenten Gegend. An der Kottbusser Straße, einem etwas schmuddeligen Boulevard, gibt es nun die Rabenbar. In den Räumen einer früheren Eckkneipe, die vor allem Schnapsfans anzog. Plötzlich gibt es hier eine Enklave des elegant drinking.

Allein der Tresen! Eine lange, sanft geschwungene Hellholzbahn mit durchlaufender Andeutung einer Wulst für müde Ellenbogen. Die Lounge dominieren schwarze Fauteuils und gleichfarbige, strenge Sofas. Als Kontrast mit Nightclub-Ambiente sind offenbar die rot gewischten Wände gedacht - auch wenn einigen Stellen etwas wüst geraten sind. Als hätten die wischenden Hände frisches Schlachtvieh verrieben. Aufgelockert wird der rot-schwarze Diskurs durch eine Minibühne und eine bläulich schimmernde, schmale Glasbausteinwand nahe den sanitären Anlagen, die für sich schon fast einen Besuch der Rabenbar lohnen (Warum, wird nicht verraten. Bitte selber hingehen und pieseln.).

Der Grund schlechthin, dieses Lokal vor allem Freitag- und Samstagabend aufzusuchen, heißt allerdings Diego Polimeno. Der fähigste Keeper des Riva (Mitte) hat sich nach Kreuzberg verabschiedet. Die bislang beste Cocktail-Location Berlins hat damit einen, wie es scheint, kaum ersetzbaren Verlust erlitten, während die Rabenbar zumindest an zwei Abenden in der Woche nun mächtig auftrumpfen kann. Damit sei nichts Schlechtes über die Schüttelkunst des Oberraben Carlo Wanka gesagt, doch einen besseren Start als mit dem Italiener Polimeno kann eine Bar kaum präsentieren. So genossen drinking man und compañera wunderbare Drinks wie Gin & Sin (Gin, Grenadine, Orangen, Zitronensaft), Wodka Tai (Wodka, Saft von frischen Limetten, Dry Orange, Mandelsirup, Zucker), Mojito, Honolulu Juicer (Brauner Rum, Southern Comfort) und Wankas Eigencreation Raven Tai (Weißer und brauner Rum, Saft von frischen Limetten, Dry Orange, Mandelsirup, Lime Juice, Zitronensaft, Kahlua).

Dabei ist die Karte noch ein Provisorium, in dem Singapore Sling oder Gin Tai nicht auftauchen. Die Komposition wäre aber kein Problem für Polimeno, der vermutlich die Ingredienzen der classic drinks auch im Halbschlaf herunterbeten könnte. Vielleicht lassen es drinking man und compañera einmal darauf ankommen. Und dürften dann in der Lage sein, den über der Tür zum Palindrom gedrechselten Namen - das e steht über dem n, womit Rabenbar vorwärts und rückwärts dasselbe Wort ergibt - weder rück- noch vor- noch auf- oder abwärts korrekt aussprechen zu können.

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