Berlin : Thekentanz: Slumberland

Frank Jansen

Es gibt sie noch: Die good old West-Berlin-Bar der 80er Jahre. Ausgerechnet da, wo die Konkurrenz ziemlich groß und der Modernisierungsdruck eigentlich ungeheuer sein müsste. Doch das Slumberland ist nicht unterzupflügen. Gut so. Auch wenn der drinking man gestehen muss, dass seine jüngste Visite die erste seit einer nicht mehr ganz genau zu bestimmenden Anzahl von Jahren war. Manchmal gerät eben selbst ein "kultiger" Dauerbrenner in Vergessenheit.

Vielleicht wäre auch permanentes Déjà-vu nicht jedes Jahr zu ertragen. Doch nach mindestens einer Dekade Abwesenheit erscheint der Spielsand auf dem Boden wieder putzig. Genauso wie die schmalen, roten Eighties-Stühlchen und der Tresen mit der patinös eingeklebten Weltkarte. Neu, also irgendwann in den letzten zehn Jahren hinzugekommen, sind offensichtlich die naiven Portraits afrikanischer Friseurkunden. Die Malereien stammen laut Tresenkraft aus Burkina Faso und Kamerun. Da türmen sich unter dem Rubrum "Ambassador Hair-Cut" recht schrille Haarkreationen, von der Sprungbrett-Tolle bis zum Doppelstock-Brikett. Vielleicht sind die Werbebilder eigens als Blickfang für den recht hohen Anteil afrikanischer Gäste vorgesehen. Ansonsten litten an den Wänden zwei offenbar angenagelte und recht trocken wirkende Palmen. Dafür war der Sand auf dem Boden wirklich sehr sauber. Wird hier jeden Tag gesiebt?

Über die Getränke ist nicht gerade üppig zu berichten. Wie das in den 80ern so üblich war, werden Bier und schnelle Longdrinks gereicht. Die Kategorie "Cocktail" ist dem Slumberland fremd geblieben - das wirkt auch ehrlicher als die Rührschüttel-Verrenkungen in anderen Old-Wave-Lokalen. So genossen der drinking man, die compañera, ein compañero und seine amiga americana genau je einen Longdrink. Der Tequila Sunrise schmeckte süßlustig wie ein Hustensaft für Kinder, der Caipir-ohne entpuppte sich als akzeptable Non-Alkohol-Variante des Caipirinha, der seinerseits den compañero zu dem Kommentar animierte, im Rahmen der "Kneipenliga" sei dieser Drink "korrekt". So ähnlich bewertete die amiga ihren Cuba Libre, den ein liebevoll geschnitztes Limonenstückchen zierte.

Jetzt kann es wieder ein bisschen dauern, bis der drinking man ins Slumberland stolpert. Oder doch nicht? Jeden Samstag entfaltet das Lokal am Rande des Markt-Trubels auf dem Winterfeldtplatz einen geradezu mediterranen quick-drink-Charme, was ja gleich heute überprüft werden könnte. Dass sich allerdings Marktbesucher zu auffälligen Brikett-Frisuren animieren lassen, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Obwohl so ein Zwei-Etagen-Monstrum auf dem Schädel einen umwerfenden Charme hätte, nicht wahr?

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